Julia Timoschenko wegen Bestechungsverdachts verurteilt

Der Oberste Antikorruptionsgerichtshof der Ukraine hat gegen Julia Timoschenko, die Vorsitzende der Batkiwschtschyna-Fraktion, eine hohe Kaution festgesetzt und ein Ausreiseverbot verhängt. In der Anhörung am Freitag, dem 16. Januar, wurde der prominenten Politikerin eine finanzielle Auflage von 33,3 Millionen Hrywnja (ca. 661.000 Euro) auferlegt. Zudem wurde ihr die Abgabe ihrer Pässe für Auslandsreisen sowie ein Kontaktverbot zu mehr als 60 Parlamentsmitgliedern auferlegt.
Bestechungsangebot und das Pseudonym „Mazur“
Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SPO) werfen Timoschenko vor, systematisch versucht zu haben, Mitglieder der Fraktion „Diener des Volkes“ zu bestechen.
- Hauptzeuge: Der Abgeordnete Igor Kopytin, der in den Ermittlungsakten unter dem Pseudonym „Mazur“ geführt wird, kontaktierte im Dezember 2025 die Strafverfolgungsbehörden und berichtete von einem Plan, seine Kollegen zu bestechen.
- Angebotene Summe: Laut Tonaufnahmen versprach Tymoschenko Kopytin und seiner Gruppe 5.000 US-Dollar pro Monat für „korrekte“ Abstimmungen zu bestimmten Gesetzesvorlagen oder Personalentscheidungen.
- Durchsuchungsergebnisse: Bei der Durchsuchung des Parteibüros wurden Pakete mit Bargeld und Abstimmungslisten verschiedener Abgeordneter gefunden.
Timoschenkos Dementi: „Das ist komplett erfunden!“
Julia Tymoschenko hielt, wie üblich, eine leidenschaftliche Rede vor Gericht und wies die Anschuldigungen entschieden zurück. Sie bezeichnete die von UMAB vorgelegten Tonaufnahmen als „gefälscht“ und betonte, dass solche Gespräche nie stattgefunden hätten.
- Kooperation, aber kein Geld: Die Politikerin bestätigte zwar Treffen mit Igor Kopytin, erklärte aber, diese Gespräche hätten lediglich im Rahmen der politischen Zusammenarbeit im Parlament stattgefunden.
- Politische Verfolgung: In ihrer Rede verglich Tymoschenko die aktuelle Situation mit früheren Strafverfahren und bezeichnete sich selbst als Opfer des „faschistischen Regimes“. Ihrer Ansicht nach seien diese Verfahren inszeniert worden, um sie an der Verteidigung der Unabhängigkeit der Ukraine zu hindern.
Der Prozess und die Position der Anwälte
Der langjährige Verteidiger der Politikerin, Dmitri Titarenko, forderte die Ermittler auf, das vollständige Protokoll des Gesprächs vorzulegen und Igor Kopytin öffentlich vor Gericht auszusagen. Der Anwalt äußerte zudem die Besorgnis, dass das aufgehobene Urteil im „Gas-Fall“ von 2011 mit diesem Fall in Verbindung gebracht wurde.
Richter Witali Dubas hielt die Kaution von 33,3 Millionen Hrywnja für angemessen, anstatt der von der Staatsanwaltschaft geforderten 50 Millionen Hrywnja. Tymoschenko darf die Region Kiew derzeit nicht ohne Genehmigung der Ermittler verlassen. Sie schloss ihre Rede mit den Worten: „Ich werde nicht aus dem Land fliehen, denn wenn nicht ich, wer wird die Ukraine retten?“
Glauben Sie, dass dieser Korruptionsskandal das endgültige Ende von Julia Timoschenkos politischer Karriere bedeuten wird, oder wird sie es schaffen, sich aus dieser Situation wieder zu befreien?
Lesen Sie „Zamin“ auf Telegram!