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Deutschland prüft Kandidaten für Ukraine-Verhandlungen

Die deutsche Regierungskoalition diskutiert über mögliche Kandidaten, die die Europäische Union bei möglichen Friedensverhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine vertreten könnten. Wie der Spiegel am 10. Mai unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin als ein solcher potenzieller Vertreter gehandelt.

Die Gesprächspartner der Publikation betonen, dass es äußerst unwahrscheinlich sei, dass die deutsche Regierungskoalition die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Spiel gebrachte Kandidatur des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder als EU-Unterhändler unterstützen würde. In Berlin besteht wenig Vertrauen, dass Schröder eine solch komplexe diplomatische Aufgabe allein bewältigen könnte.

Gleichzeitig wird laut Spiegel ein mögliches „Vermittler-Duo“ aus Schröder und Frank-Walter Steinmeier in der deutschen Hauptstadt als „interessante Option“ bewertet. Ein solches Format könnte nach Ansicht einiger Quellen einerseits die Kommunikationskanäle zu Russland offen halten und andererseits der Position der EU mehr politisches Gewicht verleihen.

Zuvor hatten Reuters, Süddeutsche Zeitung, Der Spiegel und andere deutsche Medien unter Berufung auf Quellen in der Regierungskoalition berichtet, dass die Bundesregierung Putins Vorschlag, Schröder als EU-Unterhändler einzusetzen, abgelehnt habe. Schröder ist für seine langjährige enge Beziehung zum russischen Staatschef bekannt, weshalb seine Kandidatur in deutschen politischen Kreisen unterschiedlich bewertet wird.

Am 9. Mai nannte Wladimir Putin bei einem Treffen mit Kreml-Journalisten Gerhard Schröder als „geeignetsten“ Kandidaten der EU für Verhandlungen über den russischen Krieg gegen die Ukraine. Damit beantwortete er die Frage, ob es in Westeuropa Politiker gebe, mit denen Moskau gesprächsbereit sei.

Laut Putin ist Russland offen für einen Dialog, aber Europa müsse einen Unterhändler wählen, der „keine beleidigenden Dinge über Moskau sagt“. Er betonte zudem, dass Russland mit der EU „immer“ auf Basis von Respekt kommuniziert habe.

Derzeit finden keine offiziellen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine statt. Dies bestätigte auch der russische Außenminister Sergei Lawrow Mitte April. Daher wird jedes Signal bezüglich potenzieller Vermittler in europäischen politischen Kreisen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Nach Angaben von Spiegel-Quellen hält die Bundesregierung Putins Vorschlag nicht für voll glaubwürdig. In Berlin herrscht die Ansicht vor, dass Russland bisher in der Praxis nicht gezeigt habe, dass es zu einem echten Kompromiss bereit sei. Daher erwartet die deutsche Seite von Moskau konkrete Taten, nicht nur Erklärungen.

Die Gesprächspartner der Publikation sind der Ansicht, dass eine Möglichkeit, zu prüfen, ob der Kreml den Krieg in der Ukraine wirklich beenden will, darin bestehen könnte, die Bereitschaft Russlands zur Verlängerung einer dreitägigen Waffenruhe zu beobachten. Sollte Moskau einer Fortsetzung der Waffenruhe zustimmen, könnte dies durchaus als Signal für den diplomatischen Prozess gewertet werden.

Eine der Bundesregierung nahestehende Quelle sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Putins Aussage gehöre in die Kategorie „Scheinangebote“. Solche Initiativen könnten Teil einer hybriden Strategie Russlands sein, die darauf abziele, Europa intern zu spalten.

Damit treten die Diskussionen um mögliche Friedensverhandlungen zur Ukraine in Deutschland in eine neue Phase. Einerseits besteht der Wunsch, die Tür zum Dialog mit Russland nicht vollständig zu schließen, andererseits bleiben ernsthafte Zweifel an den Vorschlägen aus Moskau bestehen.

Bisher gibt es weder eine endgültige Entscheidung über die Kandidatur Steinmeiers noch über ein mögliches Format unter Beteiligung Schröders. Doch die Debatten in Berlin zeigen eines: Die Suche nach einem diplomatischen Weg im Ukraine-Krieg geht weiter, aber das Vertrauen ist noch sehr schwach. In der Politik ist die schwierigste Aufgabe vor dem Platznehmen am Tisch manchmal die Auswahl derer, mit denen man sich an den Tisch setzt.

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