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Von der Freundschaft zur Anklage: Taschijew steht im Verdacht, die Macht ergreifen zu wollen

Von Freundschaft zu Anklagen: Taschijew steht im Verdacht, die Macht ergreifen zu wollen...

Auf der politischen Bühne Kirgisistans hat sich ein regelrechtes „Beben“ ereignet. Einer der mächtigsten Männer des Landes, Qamtschibek Taschijew, der lange Zeit das nationale Sicherheitssystem leitete, muss sich nun vor dem Gesetz verantworten.

Der „General“, der einst einen unerbittlichen Kampf gegen Korruption ausgerufen hatte, steht heute selbst unter dem Verdacht schwerer Straftaten. Zamin.uz hat die Details dieses aufsehenerregenden Verfahrens im Nachbarland untersucht.

Unerwartetes Strafverfahren und Ermittlungen

Gegen den ehemaligen Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit Kirgisistans, Qamtschibek Taschijew, wurde offiziell Anklage erhoben. Ihm werden der Versuch der gewaltsamen Machtübernahme sowie Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Derzeit wurde gegen den Politiker eine Ausreisesperre als Sicherungsmaßnahme verhängt. Das Innenministerium des Landes befasst sich mit dem Fall.

Taschijews Antwort: „Ich bin nicht schuldig“

Nach den Vernehmungen wandte sich Taschijew über soziale Netzwerke an seine Anhänger. Er weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurück und äußert die Zuversicht, dass im Gerichtsverfahren die Wahrheit ans Licht kommen wird.

„Ich hielt es für notwendig, mich bezüglich des gegen mich eingeleiteten Strafverfahrens an euch zu wenden. Ich habe die Möglichkeit, mich in diesem Strafverfahren vollumfänglich zu verteidigen.

Ich bin nicht schuldig und werde, so Gott will, freigesprochen werden. Die Schuldigen werden bestraft, die Unschuldigen freigesprochen, denn das Staatsoberhaupt bemüht sich, ein gerechtes Justizsystem in unserem Land zu schaffen“, schrieb der Politiker auf seiner Facebook-Seite.

Zudem rief er seine Anhänger dazu auf, von jeglichen Demonstrationen abzusehen und ausschließlich im Rahmen des Gesetzes zu handeln.

Zerfall des Tandems: Ist die Freundschaft am Ende?

Sadyr Dschaparow und Qamtschibek Taschijew galten über ein Jahrzehnt lang als unzertrennliche politische Partner. Nach der Revolution im Jahr 2020 übernahmen sie gemeinsam die Führung des Staates.

Die jüngsten Ereignisse zeigen jedoch, dass dieses „eiserne Tandem“ ernsthafte Risse bekommen hat.

Die unerwartete Entlassung Taschijews im Februar dieses Jahres hatte bei vielen Fragen aufgeworfen. Die Abgeordnete Elwira Surabaldijewa betonte, dass der Grund dafür Taschijews Bestreben gewesen sein könnte, einen Staatsstreich zu organisieren.

„Der Präsident ist ein großherziger Mensch. Der Präsident hat es derzeit sehr schwer, weil sein enger Freund versucht hat, ihn aus dem Amt zu drängen.

Höchstwahrscheinlich war dies der Hauptgrund für die Entlassung Taschijews“, so die Abgeordnete.

Auch Präsident Dschaparow erklärte in seinen Interviews, dass vor dem Gesetz jede Freundschaft und Verwandtschaft zweitrangig sei und die Ermittlungen die Wahrheit klären würden.

Kampf der politischen Ratings

Analysten sind der Ansicht, dass hinter dieser Spannung auch ein Kampf um politischen Einfluss steckt. Jüngste Umfragen zeigten, dass Taschijews Rating auf 22 Prozent gestiegen war, während das Vertrauen in Dschaparow bei etwa 35 bis 38 Prozent lag.

Da die Präsidentschaftswahlen 2027 näher rücken, verkompliziert ein solcher Wettbewerb die Lage zusätzlich.

Offiziell hat der Präsidentschaftswahlkampf im Land noch nicht begonnen, doch einige Politiker haben bereits die Initiative für vorgezogene Wahlen ergriffen.

Am 9. Februar, einen Tag vor Taschijews Entlassung, ging bei Dschaparow und dem Parlamentssprecher Kirgisistans, Nurlanbek Turgunbek uulu, ein Appell ein, „dringend die Initiative für neue Präsidentschaftswahlen zu ergreifen“.

Das Dokument wurde von 75 Personen unterzeichnet, darunter ehemalige Premierminister des Landes, ehemalige Parlamentsabgeordnete und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Daraufhin leitete das kirgisische Innenministerium ein Strafverfahren wegen der Organisation von Massenunruhen ein; mehrere Unterzeichner des Appells wurden festgenommen. Unter ihnen befanden sich auch Anhänger Taschijews.

Am 10. Februar wurde Taschijew seines Amtes enthoben.

Sadyr Dschaparow begründete diese Entscheidung mit dem Wunsch, eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Seinen Worten zufolge entstand der Konflikt im Parlament: Dort habe man begonnen, die Abgeordneten in Lager zu spalten, mit dem „General“ zu drohen und anschließend Unterschriften für vorgezogene Wahlen zu sammeln.

„Ich glaube, dass ich mit dieser schnellen Entscheidung meinen Freund im Gegenteil gerettet habe. Denn diejenigen, die an seiner Seite waren… haben meinen Freund vom richtigen Weg abgebracht… Dies hätte zu Spaltungen innerhalb des Staatsapparates und der Gesellschaft sowie zu möglichen Zusammenstößen führen können.

Die Verfassung verpflichtet den Präsidenten, die Integrität des Staates sowie die Einheit des Volkes und der Staatsbediensteten zu wahren. Ich habe diese Verpflichtung strikt erfüllt.

Denn die Interessen des Staates und des gesamten Volkes stehen über Ämtern und Freundschaften“, so Dschaparow.

Die Familie Taschijew und der „Kraftstoff-Konflikt“

Nachdem Qamtschibek Taschijew die Leitung des GKNB verlassen hatte, zogen „dunkle Wolken“ über seine Familienmitglieder auf. Die Steuerbehörde und die Strafverfolgungsbehörden haben ein Strafverfahren wegen der Veruntreuung von Geldern des Unternehmens „Kyrgyzneftgas“ eingeleitet.

  • Finanzieller Schaden: Den Ermittlungsergebnissen zufolge beläuft sich der dem Staat entstandene Schaden auf 4,1 Milliarden Som (etwa 46 Mio. US-Dollar).

  • Festnahmen: Im Rahmen dieses Falls wurden Taschijews Verwandter Baigasi Matissakow und sein Bruder, der ehemalige Abgeordnete Schoirbek Taschijew, festgenommen. Auch sie weisen die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück.

Die Familie, die einst andere mit einer Kampagne zur „Rückgabe von Geldern an den Staat“ einschüchterte, ist nun selbst zum Ziel dieses Systems geworden. Wie dieses politische Drama in Kirgisistan enden wird, ist derzeit noch ungewiss, doch die Lage ist zweifellos äußerst kritisch.

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