BBC untersucht kontroverse Aussagen in Trumps Rede

Die über einstündige Rede von US-Präsident Donald Trump in Davos sorgte international für Aufsehen. Darin bezeichnete er die Grönlandfrage als „kleine Bitte“ und äußerte sich scharf und pompös zu NATO-Beiträgen, Windenergie in China, der europäischen Energiepolitik und Investitionen in den USA. Der Faktencheck-Dienst der BBC, BBC Verify, analysierte diese Aussagen jedoch eingehend und deckte auf, dass einige Behauptungen falsch waren.
Laut Trump hätten die USA Grönland nach dem Zweiten Weltkrieg an Dänemark „zurückgegeben“. Historische Quellen belegen jedoch, dass Grönland nie amerikanisches Territorium war. Bereits 1933 bestätigte ein internationales Gericht, dass die Insel zu Dänemark gehört. Das 1941 zwischen den USA und Dänemark unterzeichnete Abkommen sah lediglich den Schutz der Insel vor den Nazis vor; die Frage der Souveränität wurde nicht thematisiert.
Auch Trumps Aussagen zur NATO wurden von Experten widerlegt. Er behauptete, die USA würden fast 100 Prozent der Verteidigungsausgaben des Bündnisses tragen. In der Praxis lag der US-Anteil in den letzten Jahren bei etwa 60–70 Prozent. Die NATO-Mitglieder haben erst vor Kurzem begonnen, die Verpflichtung, 2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben, vollständig umzusetzen, und die 5-Prozent-Marke bleibt ein langfristiges Ziel.
Trump behauptete außerdem, die USA hätten nie etwas von der NATO erhalten. BBC Verify erinnerte daran, dass Artikel 5 des NATO-Vertrags nach den Ereignissen des 11. September 2001 genau im Interesse der USA aktiviert wurde. Viele verbündete Länder, darunter Dänemark, erlitten bei Militäreinsätzen in Afghanistan schwere Verluste.
Auch die Kritik an China erwies sich als unbegründet. Während Trump behauptete, China besitze keine Windkraftanlagen, ist China tatsächlich der größte Windenergieproduzent der Welt. Allein im Jahr 2024 produzierte China doppelt so viel Windenergie wie die USA.
Die Behauptung, Großbritannien vereinnahme 92 Prozent seiner Öleinnahmen, hat sich ebenfalls als falsch erwiesen. Die tatsächliche Steuerbelastung ist zwar hoch, wird aber auf Gewinne erhoben und beträgt 78 Prozent, nicht auf das Einkommen.
Die größte Kontroverse entbrannte um die Zahlen zu den Investitionen in die US-Wirtschaft. Trump sprach von 18 Billionen Dollar an Investitionen, während die offiziellen Zahlen des Weißen Hauses diese Summe auf 9,6 Billionen Dollar beziffern. Experten weisen darauf hin, dass diese Zahlen Versprechen beinhalten, deren Erfüllung noch ungewiss ist.
Kurz gesagt: Trumps Rede war zwar politisch aufsehenerregend, warf aber aus faktischer Sicht ernsthafte Fragen auf. Die Analyse von BBC Verify zeigt einmal mehr, dass in internationalen Angelegenheiten genaue Zahlen und verifizierte Daten wichtiger sind als vollmundige Behauptungen.
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