Indien verbietet Touristen Selfies mit Tigern

Foto: Anupam Nath / AP / Scanpix / LETA
Der Wunsch, unvergessliche Momente in der freien Natur festzuhalten, stellt manchmal eine ernsthafte Gefahr nicht nur für das Leben von Menschen, sondern auch für das von Tieren dar. Die indische Regierung hat aufgrund der Verantwortungslosigkeit von Touristen drastische Maßnahmen ergriffen. Ab sofort wurde die Nutzung von Smartphones in Tigerreservaten zur „Persona non grata“ erklärt. Zamin.uz analysiert die neuen Beschränkungen in den Safariparks und deren Hintergründe.
Smartphones als Gefahrenquelle
Im November 2025 traf der Oberste Gerichtshof Indiens eine historische Entscheidung: Besucher von Tigerreservaten dürfen während der Safari keine Mobiltelefone mehr benutzen. Grund dafür ist die übermäßige Fixierung der Urlauber auf das Fotografieren der Tiere. Solche Handlungen gefährden nicht nur Menschen und Guides, sondern verursachen auch massiven Stress bei den Wildtieren.
Der aufsehenerregende Vorfall in Ranthambore
Ein im Februar 2026 in den sozialen Netzwerken verbreitetes Video bewies die Richtigkeit dieser Entscheidung. Im Ranthambore-Nationalpark im Bundesstaat Rajasthan kesselten mehrere Safari-Fahrzeuge einen Tiger ein und versperrten ihm den Weg. Das verängstigte und in die Enge getriebene Tier wusste angesichts der Kameras der Touristen nicht, wohin es flüchten sollte. Es ist bedauerlich, dass solche Situationen in Indien zur Normalität geworden sind.
Leichtsinn und Selfie-Opfer
Die indische Journalistin Charukesi Ramadurai beschreibt mit bitteren Beispielen, welche Folgen der „Fotowahn“ der Touristen hat:
Touristen lassen ihre Telefone fallen, woraufhin Guides gezwungen sind, in der Nähe von Tigern aus dem Fahrzeug zu springen, um diese aufzusammeln;
Es gab Fälle, in denen ein Kind aus dem Fahrzeug stürzte, während die Mutter mit einem Selfie beschäftigt war. Zu diesem Zeitpunkt befand sich ein Tiger nur wenige Schritte entfernt.
Statistik: Gefahr und Erholung
Indien ist das Hauptheimatland von 75 Prozent der weltweiten Bengal-Tiger-Population (mehr als 3.600 Tiere). Obwohl sich ihre Zahl seit 2010 verdoppelt hat, gilt die Art weiterhin als gefährdet. Gleichzeitig führt die Popularität des Safari-Tourismus auch zu Todesfällen unter Menschen: In den letzten fünf Jahren kamen 418 Personen durch Tigerangriffe ums Leben.
Globaler Trend: Naturschutz wird verschärft
Indien steht mit diesem Vorgehen nicht allein da. Zum Schutz der Tierwelt führen auch andere Staaten strenge Regeln ein:
Kenia: Die Strafmaßnahmen für Touristen und Reiseveranstalter, welche die Migration der Gnus behindern, wurden verschärft.
Spitzbergen: Touristen ist es nun streng untersagt, sich Eisbären auf weniger als 300 bis 500 Meter zu nähern.
Zukünftig werden Touristen in Indien verpflichtet sein, ihre Telefone vor dem Betreten der Reservate in speziellen Boxen zu hinterlegen.
Liebe Leser, glauben Sie, dass ein Telefonverbot in Reservaten ausreicht, um die Tiere zu schützen? Oder sollten noch strengere Strafen für Touristen eingeführt werden?
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