Wie verlief das Leben der geizigsten Frau, die im Reichtum lebte?

Heute wirkt das Leben von Henrietta „Hetty“ Green wie eine Legende: Trotz eines Milliardenvermögens sparte sie übermäßig an Essen, Kleidung und sogar an der medizinischen Behandlung ihres Kindes. Eine Finanzfrau, die die Elite der Wall Street in Angst versetzte, lebte gleichzeitig in billigen Hotels und trug jahrelang dieselben Kleider. Nicht umsonst wurde sie die „Hexe der Wall Street“ genannt.
Hetty Greens Leben ist nicht nur eine Geschichte von Geiz, sondern ein Spiegel einer Epoche, in der Geld als Macht galt und Sparsamkeit als Tugend. Sie verstand es meisterhaft, Geld zu verdienen, lernte jedoch nie, es auszugeben.

Henrietta Howland wurde 1834 in New Bedford geboren, einem Zentrum des Walfangs. Ihre Familie war wohlhabend, und sie wurde von einem strengen Großvater erzogen. Bescheidenheit und Selbstbeschränkung wurden schon in der Kindheit zu ihren Lebensprinzipien. Mit sieben Jahren las sie Finanznachrichten und konnte Aktien von Anleihen unterscheiden.
Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1865 erbte Hetty etwa 7,5 Millionen Dollar. Dieser Reichtum machte sie jedoch nicht großzügig, sondern verstärkte ihren Geiz. Sie aß nur selbst zubereitete Speisen, glaubte an billige Heilmethoden und mied jede Ausgabe. Gleichzeitig investierte sie in Eisenbahnen, Land und Immobilien und wurde zu einer der härtesten Geldverleiherinnen ihrer Zeit.

Mit 32 Jahren heiratete sie Edward Green, doch die Ehe beruhte eher auf Berechnung als auf Liebe. Im Ehevertrag war klar festgelegt, dass ihr Mann keinen Anspruch auf ihr Vermögen hatte. Als Edward bankrottging, half Hetty ihm nicht, sondern warf ihn aus dem Haus.
Am meisten litten ihre Kinder Ned und Sylvia unter ihrer Geizigkeit. Als sich Ned das Bein verletzte, weigerte sich Hetty, für die Behandlung zu zahlen, und suchte kostenlose Krankenhäuser. Aufgrund fehlender rechtzeitiger medizinischer Hilfe musste das Bein amputiert werden.
Ihr Erscheinungsbild wurde legendär: schwarze Kleidung, kalter Blick und strenge Haltung. Sie trug eine Waffe zur Selbstverteidigung, feilschte um jeden Cent und schickte sogar ihren Sohn los, um gelesene Zeitungen weiterzuverkaufen.

1916 starb Hetty Green im Alter von 81 Jahren an einem Herzinfarkt. Ihr Vermögen wurde damals auf 200 Millionen Dollar geschätzt, was heute etwa 4 Milliarden Dollar entspricht.
Das Vermögen ging an ihren Sohn Ned über, der es schnell ausgab. Ihre Tochter Sylvia spendete den restlichen Nachlass für wohltätige Zwecke — für Schulen, Krankenhäuser und Bibliotheken.
Hetty Green ging als finanzielles Genie und Symbol extremer Geizigkeit in die Geschichte ein. Ihr Leben bewies eine Wahrheit: Geld kann Macht verleihen, aber keine Menschlichkeit kaufen.
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