Geopolitische Interessen prallen im Umfeld des Friedensrats aufeinander…

Bislang sind 19 Länder dem von US-Präsident Donald Trump initiierten Friedensrat offiziell beigetreten. Bemerkenswert ist, dass in zwölf dieser Länder die Bevölkerungsmehrheit muslimisch ist. Laut dem Politikwissenschaftler Kamoliddin Rabbimov ist dies kein Zufall: Diese Länder sehen im Rat eine Lösung für den seit fast 80 Jahren andauernden Konflikt im Nahen Osten.
Dem Experten zufolge wollen muslimische Länder dieses Format nutzen, um Israels Vorgehen in Palästina und anderen Gebieten einzuschränken, ihre Position direkt an die US-Führung zu übermitteln und Einfluss innerhalb des Rates auszuüben. Es geht also nicht nur um den Beitritt zu der neuen Struktur, sondern um deren Nutzung als politisches Instrument.
Das nächste Weltwirtschaftsforum findet derzeit in Davos, Schweiz, statt. Dieses Mal stand Trumps Teilnahme und seine Rede im Mittelpunkt des Interesses. Erwartet wurde, dass er in seiner Rede globale Themen wie Grönland, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie die Spannungen im Nahen Osten ansprechen würde. Die größte Überraschung in Davos folgte jedoch nach dem Forum: Trump leitete die Unterzeichnungszeremonie der Charta des „Friedensrats“ ein.
Interessanterweise wurde diese Zeremonie nicht im Voraus öffentlich angekündigt. Angeblich wurden auch die eingeladenen Länder erst einige Tage zuvor informiert. Ursprünglich war der „Friedensrat“ als temporäres Projekt zur Friedenssicherung im Gazastreifen und zur Wiederherstellung des Territoriums bis 2025 gedacht, und selbst die UN unterstützte ihn in dieser Form.
Die Situation hat sich jedoch in den letzten Monaten geändert. Laut Medienberichten beschränkt die von Trump entwickelte neue Charta den Rat nicht auf Gaza oder den Nahen Osten. Im Gegenteil, er soll weltweit und auf unbestimmte Zeit agieren. Einige Analysten sehen darin auch den Versuch, eine faktische Alternative zur UN zu schaffen.
Die Charta besagt, dass der Friedensrat Frieden und Stabilität in der Welt sichern, die Rechtsstaatlichkeit wiederherstellen und dauerhaften Frieden in Konfliktgebieten etablieren soll. Trump selbst wurde zum ständigen Vorsitzenden des Rates ernannt. Es heißt, er beabsichtige, diese Position auch nach dem Ende seiner Präsidentschaft beizubehalten.
Tatsächlich besteht das Exekutivorgan des Rates derzeit aus vier Personen: US-Außenminister Marco Rubio, dem Sonderbeauftragten für den Nahen Osten, Steve Whitkoff, Jared Kushner und dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair. Laut Satzung wird der Rat mit der Zustimmung von mindestens drei Staaten offiziell gegründet, und Trump lud 49 Staaten ein. An der Zeremonie in Davos nahmen 19 Staatsoberhäupter oder hochrangige Vertreter teil.
Die Zusammensetzung dieser 19 Staaten bietet ebenfalls ein interessantes Bild. Aus dem postsowjetischen Raum nahmen Aserbaidschan, Armenien, Usbekistan und Kasachstan teil. Ungarn, Bulgarien und Kosovo kamen aus Europa, Argentinien und Paraguay aus Lateinamerika. Die größte Gruppe bildeten muslimische Länder: Usbekistan, Kasachstan, Aserbaidschan sowie Saudi-Arabien, Katar, die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Jordanien, Pakistan, Indonesien und die Maghreb-Staaten.
Möglicherweise aus diesem Grund nahmen israelische Vertreter nicht an der Unterzeichnungszeremonie des unter dem Motto „Frieden in Gaza“ gegründeten Rates teil. Die israelischen Medien kritisieren Trumps Initiative jedoch offen, insbesondere die Einladung der Türkei und Katars.
Wie effektiv der Friedensrat sein wird und ob er Bestand haben wird, ist natürlich noch ungewiss. Wahrscheinlich wird er als Projekt, das mit Trumps persönlichen politischen Interessen verknüpft ist, nur von kurzer Dauer sein. Man kann jedoch nicht behaupten, dass die beigetretenen Länder mit denselben Motiven handeln.
So sehen muslimische Länder diese Plattform beispielsweise als Mittel, um Einfluss auf Israel zu nehmen und die palästinensische Frage zu stärken. Länder wie Usbekistan, Kasachstan und Aserbaidschan legen Wert darauf, ihre vielseitige und ausgewogene Außenpolitik aufrechtzuerhalten. Sie stellen sich weder Russland entgegen noch schwächen sie die Beziehungen zu China – im Gegenteil, sie bemühen sich um positive Beziehungen zu allen Seiten.
In Zeiten zunehmender Unsicherheit und Turbulenzen in der Welt suchen die Länder nach neuen Gleichgewichtspunkten. Usbekistan betrachtet Trumps Friedensrat auch als eine weitere Plattform, um seine Interessen und Ansichten zu vertreten. Hauptziel ist es, Einfluss auf den seit Jahren ungelösten Konflikt im Nahen Osten zu nehmen und dort mitzureden.
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