Der Donbass-Konflikt bleibt das größte Hindernis in den Verhandlungen

Der schmerzlichste Streitpunkt in den Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine ist erneut die Territorialfrage. Wolodymyr Selenskyj erklärte in einem Interview mit der AFP, dass Kiew im Rahmen der von den USA vermittelten Gespräche zum vollständigen Rückzug aus dem Donbass aufgefordert werde und dass sich die Positionen Russlands in dieser Frage immer weiter annähern. Laut Selenskyj sei von beiden Seiten die Forderung zu hören: „Wenn ihr wollt, dass der Krieg morgen endet, dann zieht euch aus dem Donbass zurück.“
Territoriale Fragen stellten bisher das Haupthindernis dar, sind nun aber zum Prüfstein der Verhandlungen geworden: Moskau beansprucht den gesamten Donbass, während Kiew diese Forderung kategorisch zurückweist und stattdessen zumindest eine Waffenruhe („Einfrieren der Frontlinie“) vorschlägt.
Laut Quellen kontrollieren ukrainische Truppen derzeit etwa ein Fünftel der Region Donezk, während russische Streitkräfte fast das gesamte Gebiet der Region Luhansk beherrschen. Diese beiden Regionen bilden zusammen den Donbass.
Die Idee einer „eingefrorenen Front“ und europäische Truppen
In einem Interview sprach sich Selenskyj für die Stationierung europäischer Truppen näher an der eingefrorenen Frontlinie im Falle einer Waffenruhe aus. Auf den ersten Blick deutet dies auf ein Signal hin: „Kommt mit Garantien, nicht mit leeren Versprechungen“ – je stärker die Sicherheitsgarantien, desto realistischer erscheint der Friedensplan.
„Die Ukrainer wünschen sich natürlich, dass unsere Partner an unserer Seite an der Front kämpfen“, sagte er, räumte aber gleichzeitig ein: „Natürlich will niemand an der Front stehen.“
Die Initiative zur Aufstellung eines multinationalen Kontingents wird aktiv vorangetrieben, insbesondere von Frankreich und Großbritannien. Nachdem Emmanuel Macron und Keir Starmer in Paris die „Abkommensvereinbarung“ unterzeichnet hatten, wurde offen über „zusätzliche Sicherheitsinfrastruktur und Truppenstruktur für den Fall eines Waffenstillstands“ gesprochen.
Gleichzeitig erklärte Macron, das Kontingent solle am Boden, in der Luft und auf See präsent sein, jedoch weiter entfernt von der Nachschublinie. Selenskyj hingegen sprach sich für eine nähere Positionierung aus – denn es bestehe die Überzeugung, dass eine echte Abschreckung näher an der Front nötig sei, nicht nur „Papiergarantien“.
Deutschland agiert vorsichtig, schließt aber nicht alle Türen
Friedrich Merz erklärte zudem, dass Deutschlands politisches, wirtschaftliches und militärisches Engagement fortgesetzt werden könnte. Als mögliches Szenario nannte er die Stationierung von Truppen auf dem Gebiet eines benachbarten NATO-Mitgliedstaates nach dem Waffenstillstand – also den Ansatz „nicht in der Ukraine, sondern daneben“.
„Deutschland wird sein politisches, finanzielles und militärisches Engagement fortsetzen. Das könnte beispielsweise bedeuten, dass wir nach dem Waffenstillstand unsere Streitkräfte im NATO-Nachbargebiet der Ukraine stationieren“, sagte Merz damals.
Warum ist diese Nachricht wichtig?
Im aktuellen Szenario ist die „Friedensformel“ nicht nur ein Waffenstillstand. Die schwierigsten Fragen sind: Wer gibt was auf dem Gebiet auf und in welchem Umfang? Wer kontrolliert den Waffenstillstand und wie, wo und mit welcher Gewalt werden die Garantien gewährleistet? Daher ist es schwierig, die Verhandlungen schnell abzuschließen, solange der Konflikt um den Donbass ungelöst bleibt – realistisch betrachtet ist in diesem Fall das Szenario eines „langwierigen Konflikts“ wahrscheinlicher als ein „schneller Abschluss“.
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