Verhaftungen prominenter islamischer Gelehrter in Russland sorgen für Aufsehen

In letzter Zeit sind beunruhigende Nachrichten über die aufeinanderfolgenden Verhaftungen von Vertretern der muslimischen Welt, bekannten Religionsgelehrten und gesellschaftlichen Aktivisten in verschiedenen Regionen der Russischen Föderation in den Fokus der internationalen Gemeinschaft und der Medien gerückt. Es heißt, dass hinter dieser Verhaftungswelle, die sich seit Mitte Mai verstärkt hat, schwerwiegende politische Ziele und Konflikte stehen.
Laut unabhängigen Politikwissenschaftlern, Religionswissenschaftlern und sogar lokalen Z-Bloggern zielt dieses System der Verfolgung eigentlich darauf ab, den Einfluss der Geistlichen Verwaltung der Muslime Russlands und ihres einflussreichen Leiters, Mufti Ravil Gainutdin, einzuschränken. Die weltbekannte Publikation Meduza hat die wahren Details dieses mysteriösen und komplexen Sachverhalts untersucht.
Verhaftungen in den Regionen: Bekannte Prediger im Visier
Hinter diesen Verhaftungen, die auf den ersten Blick völlig unzusammenhängend erscheinen, aber gleichzeitig stattfanden, scheint ein großer Plan zu stecken. In den letzten Wochen haben die folgenden drei großen Ereignisse die Öffentlichkeit erschüttert:
Der Vorfall in Mordwinien: In der Stadt Saransk wurde der Mufti von Mordwinien, Rail Asainov, wegen des Verdachts auf Bestechung verhaftet. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden bot er dem Leiter eines lokalen Universitätsprogramms Gelder an, um die Prüfungen der Studenten zu erleichtern. Obwohl der Mufti schnell wieder freigelassen wurde, bleibt das Schicksal der fünf mit ihm verhafteten Aktivisten unbekannt.
Der Vorfall in Moskau: Visam Ali Bardvil, Imam einer Moschee im Bezirk Süd-Butowo der Hauptstadt und ehemaliger Mufti der Republik Karelien, wurde am Flughafen Scheremetjewo wegen Ungehorsams gegenüber Polizeibeamten zu 15 Tagen Haft verurteilt.
Terrorismusvorwürfe: Wie die Zeitung Kommersant berichtet, wurden Muhammad Khenni, ehemaliger Leiter der Nordwestlichen Muslimischen Gemeinschaft, Nidal al-Khikh (ein Palästinenser), stellvertretender Mufti der Region Saratow, und der inguschische Theologe Ahmad Tangiev wegen Verbindungen zur verbotenen Organisation „Muslimbruderschaft“ verhaftet.
Expertenfazit: Der Politikwissenschaftler Rinat Mukhametov betont, dass es sich bei den Verhafteten nicht um gewöhnliche Menschen handelt, sondern um gebildete Persönlichkeiten, die bei der muslimischen Jugend hohes Ansehen genießen und in moderner Sprache predigen. Ahmad Tangiev war beispielsweise ein aktiver Teilnehmer an aufklärerischen Anti-Extremismus-Veranstaltungen in seiner Heimat.
Der wahre Grund für den Kampf: Ein Schlag gegen die Struktur von Ravil Gainutdin?
Analysten und Experten stellen überzeugt fest, dass diese Verhaftungen eine systematische politische Kampagne des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) gegen die Geistliche Verwaltung der Muslime Russlands sind.
Obwohl das Muftiat offiziell Loyalität gegenüber der russischen Führung gezeigt und die militärischen Aktionen sowie die Mobilisierung in der Ukraine unterstützt hat, hat Mufti Ravil Gainutdin seine unabhängige Meinung zu einer Reihe wichtiger Fragen beibehalten. Über viele Jahre hinweg leistete er dem offiziellen Kreml große Hilfe bei der Stärkung der Beziehungen Russlands zur Türkei und zur arabischen Welt.
Die Positionen von Mufti Ravil Gainutdin, die dem Kreml missfielen:
Schutz von Migranten: Er hat konsequent die Rechte von Arbeitsmigranten verteidigt, die nach Russland kommen, und den Druck der Strafverfolgungsbehörden offen kritisiert. Selbst nach dem schrecklichen Terroranschlag in der Crocus City Hall setzte er sich weiterhin für Migranten ein.
Schicksal der Moscheen: Er sprach sich entschieden gegen den Abriss von Moscheen aus und forderte den Bau neuer Gebetshäuser.
Widerstand gegen den Gesetzentwurf: Kürzlich appellierte er persönlich an Präsident Wladimir Putin und bat ihn, einen neuen Gesetzentwurf abzulehnen, der Muslimen die Durchführung religiöser Zeremonien außerhalb von Moscheen verbieten würde.
Wie fundiert ist der Vorwurf der „Muslimbruderschaft“?
Experten stehen den Behauptungen, die Imame seien mit Terrororganisationen verbunden, sehr skeptisch gegenüber. Laut dem Politikwissenschaftler Ruslan Aysin müsste man heute den Verstand verloren haben, um in Russland Kontakt zu einer verbotenen Organisation aufzunehmen.
Da die meisten der Verhafteten palästinensischer oder arabischer Abstammung sind, versuchen die Sicherheitskräfte, die politische Lage im Nahen Osten (die Verbindung zwischen Hamas und Muslimbruderschaft) zu nutzen, um sie von internationalen Unterstützungssystemen abzuschneiden.
Frieden und Schweigen: Was ist in der nächsten Phase zu erwarten?
Interessanterweise schweigen der Rat der Muftis Russlands und andere von Gainutdin geleitete Organisationen derzeit zur Verhaftung ihrer Kollegen. Politische Beobachter sagen jedoch voraus, dass diese Prozesse auch andere religiöse Verwaltungen in der Wolga-Region betreffen werden.
Darüber hinaus könnten andere große Organisationen, die in ständiger Konkurrenz zur Geistlichen Verwaltung der Muslime Russlands stehen (wie die Zentrale Geistliche Verwaltung unter der Leitung von Talgat Tadzhuddin), diese Situation nutzen, um ihre Position zu stärken.
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