Tokajews Initiative: Kasachstan reformiert sein Staatssystem grundlegend

Ein historischer Wendepunkt in der Politik Kasachstans ist eingetreten. Der Prozess des Volksentscheids über den neuen Entwurf der Verfassung, der die Zukunft des Landes bestimmen wird, läuft auf Hochtouren. Zamin.uz analysiert die wichtigsten Aspekte dieses bedeutenden politischen Ereignisses.
Heute, am 15. März, wählen die Bürger Kasachstans über den von Präsident Qosim-Jo'qart Tokajew vorgeschlagenen neuen Verfassungsentwurf. An den Wahllokalen im ganzen Land und im Ausland ist eine hohe Wahlbeteiligung zu verzeichnen.
Referendum in Zahlen
- Wähler: Etwa 12,5 Millionen Bürger haben das Wahlrecht.
- Wahllokale: Im Land sind mehr als 10.000 Wahllokale tätig, in 54 Staaten weltweit sind es 71 (aufgrund der Spannungen im Nahen Osten wurden 11 Wahllokale geschlossen).
- Budget: Für die Durchführung der Veranstaltung wurden 20,8 Milliarden Tenge (rund 42 Millionen Dollar) bereitgestellt.
- Ergebnis: Um 14:00 Uhr Ortszeit betrug die Wahlbeteiligung 51,93 %. Das Referendum gilt somit als durchgeführt.
Parlamentsreform: Vom Majlis zum „Kurulaj“
Einer der wichtigsten Punkte des neuen Entwurfs ist die Aufgabe des Zweikammer-Parlamentssystems. Das Gesetzgebungsorgan wird nun Kurulaj genannt.
- Zusammensetzung: Ein Einkammersystem mit 145 Mitgliedern.
- Wahlsystem: Es wird ein vollständig proportionales System (basierend auf Parteilisten) eingeführt.
- Kritik: Die Opposition und unabhängige Experten befürchten, dass unabhängige Kandidaten ausgeschlossen werden und die Registrierung von Parteien erschwert wird.
Stärkung der Präsidentschaftsbefugnisse
Die neue Verfassungsversion bietet dem Staatsoberhaupt weitreichende Möglichkeiten:
- Unabhängige Ernennungen: Der Präsident kann nun den Generalstaatsanwalt, den Vorsitzenden der Nationalbank sowie die Leiter des Obersten und Verfassungsgerichts ohne Zustimmung des Parlaments ernennen.
- Amt des Vizepräsidenten: Im Land wird ein neues Amt des Vizepräsidenten eingeführt. Er wird vom Präsidenten ernannt und wird zur ersten Person im Staat, falls der Staatschef seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann.
- Auflösung des Parlaments: Wenn der Kurulaj vorgeschlagene wichtige Kandidaten zweimal ablehnt, erhält der Präsident das Recht, ihn aufzulösen und verordnungsgleiche Gesetze zu erlassen.
„Volkskenes“ und Vorrang des nationalen Rechts
Das neue Dokument sieht die Einrichtung eines Beratungsgremiums namens Volkskenes (Volksrat) vor. Es besteht aus 166 vom Präsidenten ernannten Mitgliedern und hat das Recht, Gesetzesinitiativen einzubringen.
Eine weitere wichtige Änderung ist die Abschaffung des Grundsatzes, dass internationale Verträge Vorrang vor nationalem Recht haben. Während Regierungsvertreter dies als Stärkung der nationalen Souveränität bezeichnen, befürchten Kritiker eine Schwächung der internationalen Kontrolle der Menschenrechte.
Wie wirken sich Ihrer Meinung nach diese drastischen politischen Veränderungen in Kasachstan auf die Stabilität der Region aus? Wird das Einkammersystem des „Kurulaj“ effektiv sein?
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