Strategischer Schachzug aus der Türkei: Ankara nimmt russisches „Yamal LNG“ ins Visier

Strategischer Schachzug aus der Türkei: Ankara nimmt russisches „Yamal LNG“ ins Visier

Während die Europäische Union kurz davor steht, den Import von russischem Flüssigerdgas (LNG) ab dem 1. Januar vollständig zu verbieten, beginnt eine große Neuordnung auf dem internationalen Energiemarkt. Im Rahmen der Russischen Energiewoche traf sich der türkische Minister für Energie und natürliche Ressourcen Alparslan Bayraktar mit dem Chef von „Novatek“ dem Haupteigentümer des Projekts „Yamal LNG“, zu wichtigen Verhandlungen.

Die rekordverdächtigen Gasmengen, die von Europa abgelehnt werden, könnten nun auf den logistisch günstigen türkischen Markt umgeleitet werden.

Details der Verhandlungen: Was plant Ankara?

Der türkische Energieminister erläuterte auf seiner offiziellen Seite die Hauptziele des Treffens mit der Führung von „Novatek“:

  • Zusammenarbeit bei LNG: Die Parteien erörterten detailliert Möglichkeiten für Partnerschaften im Bereich Flüssigerdgas, neue Lieferrouten und Veränderungen auf dem globalen Markt;

  • Energiesicherheit: „Wir werden weiterhin strategische Schritte unternehmen, die die Energiediversität unseres Landes erhöhen und die Versorgungssicherheit stärken“, betonte Alparslan Bayraktar.

Europas Lücke von 13,5 Milliarden Kubikmetern und „Yamal LNG“

Bisher war „Yamal LNG“ das größte russische Gasprojekt, das ungehinderten Zugang zum europäischen Markt hatte:

  • Rekordexporte nach Europa: In den ersten 7 Monaten dieses Jahres erreichte das Liefervolumen in die EU-Länder ein Rekordniveau von 9,8 Millionen Tonnen (13,5 Milliarden Kubikmeter Gas);

  • Ein bequemer Weg für die Türkei: Nach Inkrafttreten der Beschränkungen am 1. Januar könnte dieses enorme Volumen in die Türkei umgeleitet werden, da der Transportweg kürzer und kostengünstiger ist als nach Asien;

  • Möglichkeit zum Wiederverkauf: Europäischen Unternehmen ist es gestattet, Yamal-Gas aus langfristigen Verträgen bis Juli 2027 an andere Länder weiterzuverkaufen (Reexport).

Unangenehme Lage für „Gazprom“ und der Arbitrage-Plan der Türkei

Die Annäherung der Türkei an „Novatek“ könnte für den traditionellen Pipeline-Gaslieferanten „Gazprom“ einen ernsthaften Wettbewerb darstellen:

  • Treffen auch mit dem „Gazprom“-Chef: Alparslan Bayraktar führte am selben Tag auch Gespräche mit dem Vorstandsvorsitzenden von „Gazprom“, Alexei Miller, um die Partnerschaft im Erdgassektor zu erörtern;

  • Ende des 22-Milliarden-Kubikmeter-Vertrags: Die Sensibilität der Beziehungen liegt darin, dass zwei große Verträge über 22 Milliarden Kubikmeter zwischen der Türkei und „Gazprom“ genau Ende dieses Jahres auslaufen und bisher keine neuen Abkommen bekannt gegeben wurden;

  • Plan zur Gewinnmaximierung durch Winter-Arbitrage: Experten des russischen Nationalen Energiesicherheitsfonds merken an, dass die Türkei diesen Winter von den ungewöhnlich hohen Preisen profitieren könnte: Indem sie günstigeres russisches LNG aufnimmt und die aus anderen Quellen frei gewordenen Gasmengen zu höheren Preisen nach Europa weiterverkauft (Arbitrage), besteht die hohe Wahrscheinlichkeit für enorme Gewinne.

Die neuen Sanktionen der Europäischen Union können russisches Gas nicht vollständig stoppen, sondern könnten es über große Knotenpunkte wie die Türkei auf Umwegen wieder in den Weltmarkt bringen.

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