150.000 Menschen protestieren in Belgrad: Studenten bedrohen die Macht von Vučić

Die Straßen der serbischen Hauptstadt Belgrad wurden erneut zum Schauplatz massiver Proteste. Nur wenige Tage vor den entscheidenden vorgezogenen Parlamentswahlen versammelten sich rund 150.000 Bürger zu einer Kundgebung, die von der Opposition und Protestbewegungen des Landes organisiert wurde.
DW berichtet unter Berufung auf die AFP Agentur, dass die Teilnehmer der Massendemonstration vom 22. Oktober ein Ende des Regimes des amtierenden Staatschefs Aleksandar Vučić forderten. Sie riefen die Wähler dazu auf, die neue politische Kraft zu unterstützen, die aus dem Studentenprotest hervorgegangen ist: die „Studentenliste“.
Eine zweijährige Welle nach der Tragödie: Was führte zu den Wahlen?
Die für den 25. Oktober angesetzten vorgezogenen Parlamentswahlen sind das Ergebnis einer schweren sozialen und politischen Krise, die das Land seit fast zwei Jahren erschüttert:
Die Katastrophe von Novi Sad: Auslöser dieser großflächigen Proteste war der Einsturz des Daches des erst kürzlich renovierten Bahnhofs in Novi Sad im November 2024.
16 Opfer und Korruption: Unabhängige Medien und die Opposition machten damals Korruption auf hoher Ebene in staatlichen Stellen als Hauptursache für die Tragödie verantwortlich, bei der 16 Menschen ihr Leben verloren.
Der Aufstieg der Studenten: Schon bald wurden Jugendliche und Studenten zum Zentrum der Protestwelle, die das ganze Land erfasste. Aus ihrem Zusammenschluss entstand der mächtige politische Block namens „Studentenliste“.
„Keine Berufspolitiker“: Was unterscheidet die „Studentenliste“?
Im Gegensatz zu traditionellen Parteien hat dieses neue Bündnis keinen einzelnen Anführer:
Zusammensetzung der Vertreter: Auf der Liste der Bewegung stehen keine erfahrenen Politiker, sondern Wissenschaftler, Aktivisten der Zivilgesellschaft und bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die das Vertrauen der Bevölkerung genießen.
Einheit der Opposition: Der Großteil der serbischen Oppositionsparteien hat ihre eigenen Ambitionen zurückgestellt, ist aus dem Wahlkampf ausgestiegen und hat ihre Wähler dazu aufgerufen, für die Studentenbewegung zu stimmen.
Umfrage-Sensation: Studenten liegen vor Vučićs Partei
Jüngste Sozialstudien des Projekts „Neues serbisches politisches Denken“ deuten auf einen sensationellen politischen Wandel im Land hin:
Umfrage vom 20. Oktober: Von den Befragten gaben 44,5 Prozent an, für die „Studentenliste“ zu stimmen. Die regierende Serbische Fortschrittspartei, auf die sich Präsident Vučić stützt, wurde von 42,7 Prozent der Befragten unterstützt.
Stetiges Wachstum: Bereits in einer Umfrage Anfang Oktober lagen die Studenten mit 44,4 Prozent vor den Regierungskräften (41,7 Prozent).
Vučićs geheimer Plan: Rückkehr vom Präsidentenamt zum Premierminister?
Die Hauptforderung der Proteste ist der vollständige Rückzug von Aleksandar Vučić aus der Politik. Experten warnen jedoch vor einem unerwarteten Szenario:
Weg zum Machterhalt: Obwohl Vučić zuvor erklärt hatte, das Staatsamt verlassen zu wollen, plant er Berichten zufolge, nach den Parlamentswahlen den Posten des Premierministers zu übernehmen.
Erfahrung aus der Vergangenheit: Vučić war von 2014 bis 2017 serbischer Premierminister. Nachdem er 2017 Präsident wurde, übergab er die Regierungsführung an Parteikollegen. Sollte seine Partei bei der Wahl die Mehrheit gewinnen, würde dies seinen Verbleib an der Macht sichern.
Die Wahl am 25. Oktober wird voraussichtlich nicht nur die politische Zukunft Serbiens, sondern der gesamten Balkanregion bestimmen.

















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