Haltung gegenüber Selenskyj in Polen stark verschlechtert: 75,8 % negative Bewertung

Die öffentliche Stimmung gegenüber dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Polen hat sich drastisch verschlechtert. Eine neue Umfrage zeigt, dass mehr als drei Viertel der Teilnehmer seine Arbeit kritisch bewerten – ein Zeichen dafür, dass historische Differenzen zwischen Warschau und Kiew wieder in den Vordergrund gerückt sind.
Hinter den Zahlen verbirgt sich jedoch ein wichtiges Detail: Die Umfrage maß nicht das „Vertrauen“ in Selenskyj, sondern die allgemeine Haltung zu seiner Amtsführung. Zudem wäre es nicht korrekt, das Ergebnis nur auf einen einzigen Konflikt zurückzuführen.
Drei von vier Polen gaben eine negative Bewertung ab
In einer von United Surveys by IBRiS im Auftrag von Wirtualna Polska durchgeführten Umfrage äußerten 75,8 % der Befragten eine negative Einstellung zu Selenskyjs Arbeit.
Die Ergebnisse verteilen sich wie folgt:
41,9 % — absolut negativ;
33,9 % — eher negativ;
15,4 % — eher positiv;
1,5 % — absolut positiv;
7,3 % — keine klare Meinung.
Somit machten diejenigen, die Selenskyj positiv bewerteten, insgesamt 16,9 % aus.
Negative Bewertungen liegen bei 75,8 %. Die positive Haltung verbleibt bei 16,9 %.
Die Studie wurde vom 10. bis 12. Juli 2026 über Internet- und Telefonbefragungen – die Methoden CAWI und CATI – durchgeführt. Daran nahmen tausend volljährige Bürger in Polen teil.
Politische Ansichten haben das Ergebnis stark beeinflusst
Die Umfrage zeigte auch die innenpolitische Spaltung der polnischen Gesellschaft. Unter den Wählern der Regierungskoalition waren die Meinungen gleichmäßig verteilt: 45 % bewerteten Selenskyj positiv und 45 % negativ.
Unter den Anhängern der Opposition war die Kritik hingegen deutlich höher. 94 % von ihnen gaben dem ukrainischen Präsidenten eine negative Bewertung, während nur 1 % eine positive Haltung äußerte.
Unter den Anhängern der „Konföderation“ und der „Konföderation der Polnischen Krone“ erreichten die negativen Bewertungen 97 %. Dies zeigt, dass die Haltung zu Selenskyj stark mit Polens innenpolitischem Wettbewerb sowie der Ukraine-Politik verknüpft ist.
Entscheidung über „UPA*-Helden“ löst großen Streit aus
Einer der Hauptauslöser für die scharfe Reaktion in Polen war Selenskyjs Entscheidung, einer militärischen Einheit der ukrainischen Spezialeinsatzkräfte den Ehrentitel „Helden der UPA*“ zu verleihen.
In der Ukraine gilt die UPA (Ukrainische Aufständische Armee) als Vereinigung, die für die Unabhängigkeit kämpfte. In Polen hingegen wird sie mit der Ermordung Zehntausender polnischer Zivilisten in Wolhynien und Ostgalizien während des Zweiten Weltkriegs in Verbindung gebracht. Das polnische Parlament hat diese Verbrechen als Völkermord anerkannt.
Die polnische Regierung forderte die Rücknahme der Entscheidung, und das Europäische Parlament kritisierte den Schritt als schädlich für die gutnachbarlichen Beziehungen.
Nach dem Konflikt beschloss der polnische Präsident Karol Nawrocki, Selenskyj den höchsten staatlichen Orden des Landes, den Orden vom Weißen Adler, abzuerkennen. Selenskyj hatte diese Auszeichnung im Jahr 2023 vom ehemaligen polnischen Präsidenten Andrzej Duda erhalten. Nawrocki betonte, dass diese Entscheidung nicht bedeutet, dass Polen seine Unterstützung für die Ukraine gegen den russischen Angriff einstellt.
Gleichzeitig fragte die Umfrage selbst nicht nach dem genauen Grund für die negative Haltung der Befragten. Daher ist es wissenschaftlich nicht korrekt, das Ergebnis von 75,8 % ausschließlich als direkte Folge des UPA-Konflikts darzustellen.
Auch um aus der Ukraine gebrachte Gemälde entbrennt ein Rechtsstreit
Parallel dazu wurden in der polnischen Presse Berichte über einen rechtlichen Streit im Zusammenhang mit einigen Kunstwerken verbreitet, die ukrainischen Museen gehören.
Nach dem russischen Großangriff wurden einige der wertvollen Kunstwerke aus Lwiwer Museen zu Sicherheitszwecken nach Polen gebracht. Darunter befinden sich zwei Werke, die derzeit im Pommerschen Museum in Słupsk ausgestellt sind:
Das Porträt der „Roksolana“ eines unbekannten Künstlers aus dem 16. Jahrhundert;
Das 1850 von Alojzy Reichan gemalte „Porträt eines jungen Mannes“.
Der Gesamtwert der beiden Werke wird auf 150.000 Zloty geschätzt.
Ein Vertreter der Erben von Fürst Andrzej Lubomirski wandte sich an das Kreisgericht Słupsk mit der Bitte, den Abtransport der Gemälde aus polnischem Gebiet zu untersagen, bis der Hauptvermögensstreit geklärt ist.
Das Museum bestätigte den Eingang des Gerichtsantrags am 20. Juli 2026. Bislang hat das Gericht jedoch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen, ob die Kunstwerke in Polen verbleiben oder nicht in die Ukraine zurückgegeben werden. Daher ist die Schlussfolgerung, dass „die Gemälde nicht in die Ukraine zurückgegeben werden“, verfrüht.
Vertrauen zwischen Warschau und Kiew auf dem Prüfstand
Die neue Umfrage zeigt, dass Selenskyjs persönliches Ansehen in Polen stark gesunken ist. Historisches Gedächtnis, die Frage der ukrainischen Flüchtlinge, wirtschaftliche Differenzen und Polens innenpolitischer Kampf beeinflussen möglicherweise gleichzeitig die öffentliche Wahrnehmung.
Dennoch bleiben Polen und Ukraine im Sicherheitsbereich aufeinander angewiesen. Die Hauptfrage ist nun, ob die beiden Länder schmerzhafte historische Fragen lösen können, ohne sie in politische Konflikte münden zu lassen, oder ob die negative Grundstimmung auch die strategische Zusammenarbeit beeinträchtigen wird.
Welche Seite sollte Ihrer Meinung nach den ersten Schritt zur Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine tun?
*- Eine auf dem Gebiet der Russischen Föderation verbotene extremistische Organisation.


















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