Indiens bargeldlose Revolution: Ein Bericht aus dem Zentrum von 1 Milliarde Transaktionen pro Tag

Von einfachen Straßen-Teehäusern in Indien bis hin zu den Wolkenkratzern im Zentrum von Mumbai sehen Sie das gleiche Bild: Die Menschen zücken kein Bargeld, sondern ihr Smartphone und scannen einen QR-Code. Wie wurde bargeldloses Bezahlen im bevölkerungsreichsten Land der Welt zum alltäglichen Lebensstil?
Im Rahmen unserer internationalen Pressereise haben wir das Gehirn dieses digitalen Wunders besucht — NPCI (National Payments Corporation of India) — und die Funktionsmechanismen des Systems in der Zentrale untersucht.

«India Stack»: Ein digitales Fundament auf vier Ebenen
Wie die Präsentationen zeigten, kam dieser Erfolg nicht von ungefähr. Er basiert auf vier soliden Infrastrukturschichten:
Digitale biometrische Identität (Aadhaar): 1,44 Milliarden Bürger sind in das elektronische Identifikationssystem integriert. 91 Prozent der erwachsenen Bevölkerung besitzen ein offizielles Bankkonto, und täglich werden fast 17 Millionen Identitätsprüfungen elektronisch (eKYC) durchgeführt.
Papierlose Dokumente (DigiLocker): Über 9 Milliarden offizielle Dokumente wurden digitalisiert, sodass Bürger staatliche und Bankdienstleistungen nutzen können, ohne Papierunterlagen mit sich führen zu müssen.
Einheitliches bargeldloses Zahlungsnetzwerk (UPI und RuPay): Eine schnelle, kostengünstige und offene Architektur, die jede Bank und jede Fintech-App miteinander verbindet.
Zugängliche Infrastruktur: Für 1,3 Milliarden Mobilfunknutzer gehört der Preis von 1 GB mobilem Internet zu den günstigsten weltweit — er liegt bei etwa 0,10 Dollar.
1 Milliarde Transaktionen pro Tag: Erstaunliche Zahlen

Die von der NPCI vorgelegten Kennzahlen erreichen ein Ausmaß, das nicht nur für den regionalen, sondern auch für den globalen Finanzmarkt beispiellos ist:
Fast 49 Prozent aller bankgestützten Sofortzahlungen weltweit entfallen auf das indische UPI-System.
Das System verarbeitet monatlich über 24,5 Milliarden Transaktionen. Der monatliche Umsatz übersteigt 315 Milliarden Dollar, und die Zahl der täglichen Operationen liegt bei über 1 Milliarde.
Während der Wert der UPI-Transaktionen im Jahr 2021 noch 18 Prozent des indischen BIP ausmachte, ist dieser Anteil heute auf 87 Prozent (3,6 Billionen Dollar jährlich) gestiegen.
Kein privates Monopol, sondern nationales Interesse
Das einzigartige Merkmal des Systems ist sein Governance-Modell. Die NPCI ist eine gemeinnützige Organisation (not-for-profit), die von der Reserve Bank of India (RBI) und einem Konsortium aus 65 großen Geschäftsbanken verwaltet wird.
Hierbei sammeln private Fintech-Apps (Google Pay, PhonePe, Paytm) das Geld der Nutzer nicht auf eigenen Konten. Sie bieten lediglich eine benutzerfreundliche Schnittstelle; das Kapital fließt in Sekundenschnelle direkt vom Bankkonto des Käufers auf das des Verkäufers. Dies garantiert Sicherheit und ermöglicht ein provisionsfreies System auf Basis von freiem Wettbewerb.
Während des BRICS-Gipfels signalisierte Indien die Bereitschaft, diese nationale Erfahrung mit den Zahlungssystemen von Partnerländern zu integrieren. Für Zentralasien, insbesondere für Usbekistan, dessen Finanztechnologien sich rasant entwickeln, ist dieses Modell aus Mumbai von großer praktischer Bedeutung für den Aufbau einer bargeldlosen Wirtschaft und einer offenen Fintech-Infrastruktur.


















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