Israelische Siedler zünden Moschee in Qusra an: „Rache“-Graffiti an den Wänden

Israelische Siedler zünden Moschee in Qusra an: „Rache“-Graffiti an den Wänden

Im Westjordanlandhat die zugespitzte Lage eine neue gefährliche Phase erreicht. Im Dorf Qusra nahe Nablus wurde die im Bau befindliche Al-Rahma-Moschee in Brand gesetzt, und an ihren Wänden wurden hebräische Aufschriften mit Racheaufrufen hinterlassen.

Der Angriff ereignete sich vor dem Hintergrund groß angelegter Razzien im gesamten Westjordanland, bei denen Dutzende Palästinenser festgenommen wurden. Die israelische Polizei kündigte Ermittlungen an, doch bislang gibt es keine Informationen über Festnahmen von Verdächtigen.

Brand beschädigt Moschee im Bau

Der Bürgermeister von Qusra, Abdul Azim Wadi, teilte mit, dass Angreifer den noch unfertigen Teil der Moschee im Süden des Dorfes in Brand gesteckt hätten.

Das Feuer beschädigte den Eingangsbereich, für den Bau verwendete Holzmaterialien sowie einige Einrichtungen. An den Wänden der Moschee wurden auf Hebräisch Inschriften mit der Bedeutung „Rache“ hinterlassen.

Darunter befanden sich:

Auch die Inschrift „Rache für Benayahu“ war zu finden.

Berichten zufolge bezieht sich diese auf den 32-jährigen Benayahu Mellet, der bei einer früheren Schießerei nahe dem Dorf Tur getötet worden war.

Israelische Armee bestätigt den Vorfall

Das israelische Militär erklärte, nach Eingang der Meldung über die Brandstiftung seien Soldaten an den Rand von Qusra entsandt worden.

Laut Militärangaben fanden die Soldaten am Tatort Spuren des Feuers und Graffiti an den Wänden vor. Die Verdächtigen hatten das Gebiet jedoch bereits vor dem Eintreffen der Soldaten verlassen.

Die israelische Polizei sammle Beweise und werde den Vorfall untersuchen. Das Militär verurteilte den Angriff und versprach, die Ordnung in der Region aufrechtzuerhalten.

Am selben Tag wurde berichtet, dass auch im Dorf Kur nahe Tulkarm eine andere Moschee in Brand gesteckt worden war. Anwohner konnten das Feuer löschen, bevor es sich weiter ausbreitete.

Wie viele Menschen wurden bei den Razzien festgenommen?

Die Angriffe auf Moscheen erfolgten vor dem Hintergrund umfassender Militäroperation im Westjordanland.

Die israelische Armee gab bekannt, dass in verschiedenen Regionen über 70 Verdächtige festgenommen wurden. Palästinensische Quellen teilten mit, dass die Zahl der Festgenommenen in Nablus, Ramallah, Hebron und anderen Gebieten auf mindestens 80 gestiegen sei.

Zudem wurden Hunderte Häuser und Objekte durchsucht. Der Hauptteil der Operationen fand im Raum Tur und Nablus statt.

Die israelische Seite bezeichnete die Razzien als „Anti-Terror-Operation“. Palästinensische Organisationen werteten sie hingegen als Politik der Kollektivstrafe.

Was war im Dorf Tur geschehen?

Die Spannungen hatten sich nach Zusammenstößen zwischen israelischen Siedlern und lokalen Palästinensern in der Nähe des Dorfes Tur verschärft.

Bei dem Vorfall kamen vier Palästinenser und zwei Israelis ums Leben. Während einige Berichte die beiden Israelis als Militärangehörige erwähnten, gaben andere Quellen an, dass einer von ihnen ein lokaler Sicherheitskoordinator war.

Danach soll der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Anweisungen zur Verlegung zusätzlicher Kräfte, Verschärfung der Bewegungsbeschränkungen und Durchführung einer Großoperation gegeben haben.

Angaben zu den Opfern gehen auseinander

Palästinensische Quellen berichten, dass die Zahl der Getöteten im Westjordanland seit Oktober 2023 auf 1.182 gestiegen ist. Diese Zahl wurde jedoch bislang nicht in den offenen UN-Daten bestätigt.

Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) verzeichnete mit Stand vom 3. Juli 2026, dass seit dem 7. Oktober 2023 im Westjordanland 1.109 Palästinenser durch israelische Kräfte oder Siedler getötet wurden. Darunter befinden sich 243 Kinder.

Wenn die weiteren Opfer aus dem Dorf Tur zu dieser Statistik hinzugerechnet werden, könnte sich die Zahl nochmals erhöht haben, allerdings wurden die 1.182 Fälle von unabhängigen Stellen noch nicht bestätigt.

24.000 Festnahmen bedeuten nicht gleich aktuelle Inhaftierung

Nach Angaben des Palästinensischen Häftlingsvereins wurden seit Oktober 2023 im Westjordanland über 24.000 Festnahmen verzeichnet. Diese Zahl bezieht sich nicht nur auf die aktuell Inhaftierten, sondern umfasst alle Gesamtfälle einschließlich Freigelassener oder erneut Festgenommener.

Einem UN-Bericht zufolge befanden sich im Mai 2026 9.384 Palästinenser in israelischen Gefängnissen. Davon waren 3.376 Personen ohne Anklage oder Prozess in Administrativhaft.

Die Gefahren im Westjordanland nehmen weiter zu

Der Brandanschlag auf die Moschee in Qusra ist kein Einzelfall. Angriffe von Siedlern auf Ortschaften, religiöse Stätten, Wohngebäude und landwirtschaftliche Objekte haben im Laufe des Jahres drastisch zugenommen.

Die UN gaben an, dass in den ersten Monaten des Jahres 2026 täglich durchschnittlich fast sechs Siedlerangriffe registriert wurden. Bei diesen Angriffen wurden Menschen verletzt sowie Wohnhäuser und lebenswichtige Infrastrukturen beschädigt.

Allein die an der Moschee hinterlassene „Rache“-Inschrift zeigt, wie gefährlich die Lage ist: Jede neue Attacke kann zu einer weiteren Vergeltungsmaßnahme und noch mehr Opfern führen.

Die Hauptfrage ist nun, ob die Angreifer gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden oder ob sich dieser Vorfall in die Liste der ungestraften Gewalttaten im Westjordanland einreiht.

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