Russland behauptet, an einem Tag zehn MiG-29 mit S-400 abgeschossen zu haben

Das russische Militär erklärte, 2023 innerhalb eines Tages zehn ukrainische MiG-29-Kampfflugzeuge mit S-400-Triumf-Flugabwehrsystemen abgeschossen zu haben.
Dies geht aus einem in der Zeitschrift „Voyennaya mysl“ des russischen Verteidigungsministeriums veröffentlichten Artikel hervor. Die genannten Ergebnisse wurden von der Ukraine jedoch nicht bestätigt; auch aus offenen Quellen liegen keine ausreichenden Belege dafür vor, dass zehn Flugzeuge an einem Tag verloren gingen.
Welche Zahlen nannte die russische Publikation?
Der Artikel wurde unter Beteiligung von Generalmajor Alexander Romanenkow, dem Chef der Flugabwehrraketentruppen der russischen Luft- und Weltraumkräfte, erstellt.
Demnach wurden 2023 erstmals Gefechtsschüsse gegen Ziele jenseits des Horizonts mit S-400-Systemen durchgeführt.
Nach Darstellung der russischen Seite:
— wurden innerhalb eines Tages zehn MiG-29-Kampfflugzeuge abgeschossen;
— wurden innerhalb einer Woche insgesamt 24 ukrainische Militärflugzeuge zerstört;
— wurde der genaue Typ einiger Flugzeuge im Artikel nicht genannt.
Diese Zahlen sind keine bestätigten Verluste, sondern Angaben aus einer russischen Militärpublikation.
Frühere offizielle Berichte nannten andere Zahlen
In einem vom russischen Verteidigungsministerium im Oktober 2023 veröffentlichten Tagesbericht hieß es, innerhalb eines Tages seien sieben ukrainische MiG-29 abgeschossen worden.
In demselben Bericht wurde mitgeteilt, dass innerhalb einer Woche insgesamt zwölf Flugzeuge zerstört worden seien – zehn MiG-29 und zwei Su-25.
Einige Tage später erklärte Sergej Schoigu, der damalige russische Verteidigungsminister, innerhalb von fünf Tagen seien 24 ukrainische Flugzeuge abgeschossen worden.
Damit stimmen die zu unterschiedlichen Zeitpunkten veröffentlichten offiziellen Zahlen nicht vollständig überein:
— zunächst sieben MiG-29 an einem Tag;
— zwölf Flugzeuge innerhalb einer Woche;
— später 24 Flugzeuge innerhalb von fünf Tagen;
— im neuen Artikel hingegen zehn MiG-29 an einem Tag und 24 Flugzeuge innerhalb einer Woche.
Diese Unterschiede zeigen, dass zusätzliche unabhängige Bestätigungen zum genauen Datum des Ereignisses, zum Zieltyp und zur Zahl der Verluste erforderlich sind.
Wie funktionierte der „Schuss jenseits des Horizonts“?
Aufgrund der Erdkrümmung kann ein Bodenradar ein in geringer Höhe über große Entfernung fliegendes Flugzeug nicht immer direkt erfassen.
Bei der in der russischen Publikation beschriebenen Methode wurden S-400-Systeme in einer „Hinterhaltstellung“ positioniert. Nachdem ukrainische Flugzeuge gestartet waren, wurden die Abschussvorrichtungen nach vorn verlegt und an Orte gebracht, an denen die Ziele in ihre Wirkungszone gelangen konnten.
Für den Angriff auf ein Ziel jenseits des Horizonts können Daten anderer Radarsysteme oder luftgestützter Frühwarn- und Überwachungsmittel genutzt werden. 2023 schrieben russische Militärquellen auch, dass S-400-Systeme gemeinsam mit dem Frühwarn- und Kontrollflugzeug A-50 eingesetzt worden seien.
Technische Belege dafür, welche Flugzeuge genau, wo und unter welchen Bedingungen getroffen wurden, wurden jedoch nicht veröffentlicht.
Über welche Entfernung kann die S-400 Ziele treffen?
Die S-400 Triumf ist ein Flugabwehrsystem großer und mittlerer Reichweite, das 2007 in die Bewaffnung der russischen Armee aufgenommen wurde.
Nach Angaben von Rosoboronexport kann das System verschiedene Raketen wie 40N6E, 48N6E3 und 9M96E2 einsetzen. Für die Exportversion wird die maximale Reichweite zur Bekämpfung aerodynamischer Ziele mit bis zu 380 Kilometern angegeben.
Das System ist gegen folgende Ziele vorgesehen:
— Jagd- und Bomberflugzeuge;
— luftgestützte Frühwarn- und Überwachungsflugzeuge;
— Aufklärungs- und elektronische Kampfführungsmittel;
— Marschflugkörper sowie bestimmte ballistische Raketen.
Die in Katalogen angegebene maximale Reichweite bedeutet jedoch nicht, dass ein Ziel unter allen Gefechtsbedingungen aus dieser Entfernung erfolgreich getroffen wird. Flughöhe des Flugzeugs, Radarsichtbarkeit, elektronische Kampfführung, Ausweichmanöver des Ziels und externe Aufklärungsdaten beeinflussen das Ergebnis.
Wurde der Verlust von zehn MiG-29 bestätigt?
Die ukrainische Luftwaffe hat einen Verlust solchen Ausmaßes an einem einzigen Tag nicht öffentlich bestätigt.
In der Oryx-Datenbank, die Verluste militärischer Ausrüstung anhand von Foto- und Videomaterial erfasst, sind seit Beginn des Krieges 38 ukrainische MiG-29 als zerstört oder beschädigt verzeichnet. Die Datenbank erfasst jedoch nur Fälle mit offen zugänglichen visuellen Belegen und deckt möglicherweise nicht alle tatsächlichen Verluste ab.
Die Informationen aus offenen Quellen bestätigen nicht unabhängig, dass die von Russland genannten zehn MiG-29 tatsächlich innerhalb eines Tages abgeschossen wurden. Das Fehlen visueller Belege beweist umgekehrt jedoch nicht automatisch, dass das Ereignis überhaupt nicht stattgefunden hat.
Im Krieg können beide Seiten ihre eigenen Verluste verheimlichen und die Verluste des Gegners übertreiben. Daher müssen Angaben zu kostspieliger Militärtechnik wie Flugzeugen durch Satellitenbilder, Flugzeugkennungen, Informationen über Piloten oder mehrere unabhängige Quellen bestätigt werden.
Auch das russische Militär räumte ein, dass sich die Taktik nicht wiederholen lässt
Im Artikel von „Voyennaya mysl“ wird auch angemerkt, dass die ukrainische Seite möglicherweise die neue Methode zum Einsatz der S-400-Systeme untersucht habe.
Nach Ansicht der Autoren wird es schwieriger, mit der „Hinterhalt“-Taktik erneut ein ebenso hohes Ergebnis zu erzielen, sobald der Gegner sie analysiert hat.
Die Flugzeuge könnten:
— sich gefährlichen Gebieten nicht nähern;
— in geringer Höhe fliegen;
— versuchen, S-400-Stellungen frühzeitig zu erkennen;
— weitreichende Waffen aus großer Entfernung hinter der Front einsetzen.
Daher halten die russischen Streitkräfte es für wichtig, weitreichende Systeme nicht dauerhaft an einem Ort zu stationieren, sondern sie nach dem Start der Flugzeuge schnell an unerwartete Positionen zu verlegen.
Großes Ergebnis, aber noch viele offene Fragen
Die russische Militärpublikation stellt den Einsatz der S-400-Systeme im Jahr 2023 als großen Erfolg dar. Sollte sich die Angabe bestätigen, dass an einem Tag zehn MiG-29 abgeschossen wurden, wäre dies einer der größten eintägigen Luftfahrtverluste in einem modernen Krieg.
Bisher wurden jedoch keine Flugzeugkennungen, Schauplätze, Satellitenbilder oder anderen unabhängigen Belege veröffentlicht, die diese Behauptung bestätigen.
Daher sollte die Meldung nicht als unumstößliche Tatsache formuliert werden – „Russland schoss an einem Tag zehn MiG-29 ab“ –, sondern als Behauptung: „Eine russische Militärpublikation erklärte, ein solches Ergebnis erzielt zu haben.“ Hinterlassen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren und teilen Sie den Artikel mit Bekannten und Freunden auf Telegram oder anderen sozialen Netzwerken!


















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