Mutterschaftsurlaub einer Bürgermeisterin sorgt in Japan für Aufsehen

Shoko Kawata, Bürgermeisterin der Kleinstadt Yawata im Westen Japans, ist die erste amtierende Bürgermeisterin in der Geschichte des Landes, die Mutterschaftsurlaub nimmt. Ihre Entscheidung löste in Japan kontroverse Reaktionen aus und erregte auch die Aufmerksamkeit internationaler Medien.
Kawata, die Yawata mit rund 69.000 Einwohnern leitet, wurde 2023 im Alter von 33 Jahren Japans jüngste Bürgermeisterin. Sie sagte, sie habe bereits bei ihrer Wahl geplant, ein Kind zu bekommen.
Stadtbediensteten sind zwar 16 Wochen Mutterschaftsurlaub garantiert, für Bürgermeister gab es jedoch keine entsprechende Regelung. Daher musste Kawata ein spezielles Verfahren für ihren Mutterschaftsurlaub entwickeln.
„Als ich erfuhr, dass ich die erste Bürgermeisterin bin, die das tut, war ich selbst sehr überrascht. Mir wurde bewusst, dass vor mir nur sehr wenige junge Frauen oder Frauen überhaupt Bürgermeisterinnen geworden waren“, sagte Kawata.
Einer der letzten öffentlichen Auftritte der Bürgermeisterin vor ihrem Urlaub war ein Straßenumzug vor dem Yawata-Taiko-Festival. Da ihre Schwangerschaft deutlich sichtbar war, ging Kawata hinter dem tragbaren Shinto-Schrein, dem Mikoshi, zu Fuß, statt wie traditionell darauf zu steigen.
Kawatas Entscheidung führte erneut zu einer Debatte über die Gleichstellung der Geschlechter in Japan. Die Beteiligung von Frauen am politischen Leben des Landes ist weiterhin gering. Im jüngsten Bericht des Weltwirtschaftsforums zur Gleichstellung der Geschlechter belegte Japan Platz 118 von 148 Ländern insgesamt und Platz 125 bei den politischen Chancen.
Kawata zufolge sind insbesondere in Japan ernsthafte Reformen notwendig, da die Bevölkerung altert und die Geburtenrate zu den niedrigsten der Welt gehört.
Nach japanischem Recht haben Frauen Anspruch auf etwa 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. In dieser Zeit erhalten sie normalerweise rund zwei Drittel ihres Gehalts sowie eine zusätzliche Geburtszulage. Für einige Staatsbedienstete gelten noch günstigere Bedingungen.
„Über Gleichstellung und eine Reform der Arbeitswelt wird viel gesprochen. Doch wir müssen eine Gesellschaft schaffen, in der Menschen in allen Berufen, auch in Führungspositionen, keine Bedenken haben, Kinder zu bekommen. Andernfalls wird es schwierig, den Rückgang der Geburtenrate, das anhaltende Schrumpfen der Bevölkerung und den wirtschaftlichen Niedergang zu verhindern“, sagte Kawata.
Die Mehrheit der Stadtbewohner unterstützte die Entscheidung der Bürgermeisterin. Auch ihre Kollegen ermutigten sie, Mutterschaftsurlaub zu nehmen. Nachdem die Medien ausführlich darüber berichtet hatten, erschienen in sozialen Netzwerken jedoch auch kritische Kommentare.
Kawata sagte, sie sei verletzt gewesen, weil einige Nutzer geschrieben hätten, sie sei eher durch ihren Mutterschaftsurlaub als durch die Ausübung ihres Bürgermeisteramtes bekannt geworden und habe das Amt „nicht zum Arbeiten, sondern für den Urlaub“ übernommen. Ihr Kind wird im September erwartet.
Gleichzeitig unterstützten nicht alle Einwohner die Entscheidung der Bürgermeisterin gleichermaßen. Einige, darunter die in Yawata lebende Chie Fujita, erkannten Kawatas Recht auf Mutterschaftsurlaub an, kritisierten jedoch, dass sie während des Urlaubs weiterhin ihr volles Gehalt erhält.
„Ich bin selbst eine Frau und habe auch Kinder. Deshalb unterstütze ich als Frau ihr Recht, rund um die Geburt Urlaub zu nehmen. Ich kann jedoch nicht vollständig gutheißen, dass sie während des Urlaubs 100 Prozent ihres Gehalts erhält“, sagte Fujita.

















Kommentare 0
…