„99,9 Prozent der Fußballer sind unglücklich“: Gaël Kakuta spricht offen

Hohe Gehälter, volle Stadien und Millionen Fans – Profifußball wirkt von außen wie die glänzendste Form des Erfolgs. Doch Gaël Kakuta, der für die Nationalmannschaft der DR Kongo spielte, sagt, dass sich hinter diesem Bild Druck, Unsicherheit und tiefe Einsamkeit verbergen.
Seine Aussage, dass „90 oder sogar 99,9 Prozent der Fußballer unglücklich sind“, ist keine wissenschaftliche Statistik, sondern ein persönliches Fazit aus seiner langjährigen Karriere. Dennoch wurden die von Kakuta angesprochenen Probleme auch in Studien internationaler Fußballorganisationen als ernsthafte Risiken beschrieben.
„Niemand fragt, wie du dich fühlst“
In einem Interview mit Capte betonte Kakuta, dass die Belastung eines Profifußballers deutlich schwerer ist, als sie für Fans aussieht.
„Meiner Meinung nach sind 90 Prozent der Fußballer, sogar 99,9 Prozent, unglücklich. Sie tragen eine sehr schwere Last und enorme Verantwortung. Niemand interessiert sich dafür, was sie wirklich fühlen.“
Ein Fußballer muss in jedem Spiel Leistung bringen, das Vertrauen des Trainers rechtfertigen, die Kritik der Fans aushalten und um seinen Platz im Verein kämpfen. Ein einziger Fehler auf dem Platz kann manchmal seine Karriere, sein Einkommen und seine Zukunft in der Mannschaft beeinflussen.
In einem solchen Umfeld treten die Gefühle des Sportlers in den Hintergrund. Von ihm wird erwartet, nicht als müder oder seelisch belasteter Mensch aufzutreten, sondern als Profi, der jederzeit bereit zum Siegen ist.
Reichtum Beseitigt Keine Unsicherheit
Kakuta sagte, eine der schwierigsten Fragen für Fußballer sei es, die wahren Absichten der Menschen in ihrem Umfeld zu erkennen.
„Nach einer gewissen Zeit weißt du nicht mehr, wer die Menschen neben dir eigentlich sind. Du weißt nicht, warum sie bei dir sind. Auch ob deine Beziehungen wirklich ehrlich sind, kannst du nicht mehr glauben.“
Mit wachsender Bekanntheit können die Zahl der Freunde, Berater und Personen mit unterschiedlichen Interessen steigen. Für einen Fußballer wird es jedoch schwieriger zu erkennen, wer ehrlich an ihm interessiert ist und wer seinen Ruf oder seine finanziellen Möglichkeiten ausnutzen möchte.
Infolgedessen beginnt der Sportler, nicht nur Fremden, sondern auch seinem engsten Umfeld zu misstrauen. Kakutas Ansicht nach lernen viele Fußballer gerade deshalb, ihre wahren Gefühle zu verbergen.
Die Maske fällt auch zu Hause nicht
Im Profisport wird das Zeigen von Schwäche oft als Verlust eines Wettbewerbsvorteils verstanden. Offen über die Angst vor Verletzungen, den Verlust eines Stammplatzes oder Kritik zu sprechen, fällt nicht jedem Fußballer leicht.
Kakuta bezeichnete diesen Zustand als „Leben mit einer Maske“.
„Ein großer Teil der Fußballer lebt mit einer Maske. Sie nehmen diese Maske auch zu Hause, bei ihrer Familie und unter Freunden nicht ab.“
Ein Fußballer kann in sozialen Netzwerken lächeln, ein teures Auto fahren und sich vor den Fans glücklich zeigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass er nachts ruhig schläft oder den inneren Druck überwunden hat.
Kakuta sagte außerdem, dass manche Sportler zu verschiedenen Medikamenten greifen, um Schlafprobleme oder andere psychische Schwierigkeiten zu bewältigen. Das betrifft nicht allgemein alle Fußballer, zeigt aber, dass das Verbergen von Problemen manche Menschen auf gefährliche Wege führen kann.
Auch Studien zeigen, wie ernst das Risiko ist
Die von Kakuta genannte Zahl von 99,9 Prozent stammt nicht aus einer Studie. Laut FIFPRO leiden jedoch mehr als ein Drittel der aktiven Fußballer unter Symptomen wie Angstzuständen, Depressionen, psychischer Belastung oder Schlafstörungen.
In einer Befragung von mehr als 1.000 Sportlern durch die englische Professional Footballers’ Association gab jeder fünfte Fußballer an, starke Angstzustände erlebt zu haben. Nur 38 Prozent der männlichen und 26 Prozent der weiblichen Fußballer erklärten, dass sie bereit seien, ihrem Verein von einem psychischen Problem zu erzählen.
In einer weiteren PFA-Studie sagten 68 Prozent der Fußballer, dass die Angst vor Verletzungen ihre psychische Gesundheit negativ beeinflusse. Das zeigt, dass Ängste im Profisport nicht nur mit Niederlagen oder Kritik zusammenhängen, sondern auch mit der Möglichkeit, dass sich eine Karriere jederzeit grundlegend verändern kann.
„Allein zu sein bedeutet, sich selbst zu begegnen“
Eine von Kakutas schwersten Aussagen betraf die Flucht vieler Fußballer vor der Einsamkeit.
„Die meisten Menschen laufen vor der Einsamkeit davon. Denn der Einsamkeit ins Gesicht zu sehen bedeutet, sich selbst zu begegnen.“
Ständige Spiele, Trainingseinheiten, Reisen und öffentliche Termine können einem Menschen ermöglichen, nicht über seine inneren Probleme nachzudenken. Doch wenn der Lärm verstummt, kehren Druck, Angst und unbeantwortete Fragen zurück.
Deshalb ist ein unabhängiges psychologisches Unterstützungssystem für Fußballer wichtig. FIFA und FIFPRO rufen Sportler seit einigen Jahren dazu auf, psychische Probleme nicht zu verbergen, sondern mit einer Vertrauensperson oder einem Fachmann darüber zu sprechen. Die FIFA hat zu diesem Zweck auch eine spezielle Kampagne gestartet, die einen offenen Dialog über psychische Gesundheit im Fußball fördern soll.
Die unsichtbare Seite des Fußballs, die Kakuta kennt
Gaël Kakuta spielte in seiner Karriere für Vereine wie Chelsea, Rayo Vallecano und Lens. Als junges Talent erlebte er große Erwartungen, Leihgeschäfte, Vereinswechsel und einen ständig von Konkurrenz geprägten Alltag.
Seine deutliche Aussage bedeutet nicht, dass alle Fußballer dasselbe Leben führen. Sie erinnert jedoch daran, dass Geld und Bekanntheit einen Menschen nicht automatisch vor innerem Schmerz, Einsamkeit oder Unsicherheit schützen.
Fans sehen im Stadion die 90-minütige Leistung eines Fußballers. Sein Schlaf in der Nacht, die Angst vor Verletzungen, familiärer Druck oder sein fehlendes Vertrauen in die Menschen um ihn herum bleiben dagegen oft verborgen.
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