Debatte nach Angriff auf Bildungseinrichtung in Luhansk entbrannt

Foto: Leonid Pasechnik / Studentenwohnheim des Colleges
Der bewaffnete Konflikt in der Ukraine, der weiterhin einer der gefährlichsten Brennpunkte der Welt ist, hat zu weiteren internationalen politischen und militärischen Kontroversen geführt. Ein schwerer Luftangriff auf ein Lehrgebäude und ein Studentenwohnheim eines pädagogischen Colleges in Starobelsk in der Region Luhansk, die unter russischer Kontrolle steht, ist in den Fokus einer globalen Debatte gerückt. Der russische Präsident Wladimir Putin beschuldigte die ukrainischen Streitkräfte offen, einen „Terroranschlag“ verübt zu haben.
Nach den neuesten offiziellen Angaben des russischen Ministeriums für Katastrophenschutz, in der Nacht zum 22. Mai, ist die Zahl der Todesopfer durch diese schreckliche Explosion auf 21 gestiegen, weitere 42 Bürger erlitten schwere Verletzungen unterschiedlichen Grades. Die Trümmerräumung und die Such- und Rettungsarbeiten am Unfallort sind vollständig abgeschlossen. Offizielle Quellen gaben an, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs 86 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren im Gebäude befanden.
Wellenangriff: Putin und Erklärungen bei der UN
In seiner Rede betonte der Kremlchef, dass diese Tragödie kein Zufall oder das Ergebnis eines verfehlten Ziels sei. Seiner Meinung nach war der Angriff hochgradig geplant, erfolgte in drei Wellen und zielte darauf ab, 16 unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen) auf einen einzigen Punkt zu lenken.
„In der Nähe dieses Wohnheims gab es keine militärisch bedeutenden Objekte. Daher gibt es keinen Grund zu behaupten, dass diese Geschosse aufgrund unserer Luftverteidigungssysteme oder elektronischen Kampfführungsmittel ihre Richtung geändert haben und das Gebäude getroffen haben. Argumente, dass jemand ein anderes Ziel anvisiert habe und die Drohnen abgeschossen wurden und zufällig auf diesen Ort gefallen seien, sind absolut inakzeptabel“, sagte Wladimir Putin.
Diese Thesen wurden am Freitag auch vom ständigen Vertreter Russlands, Wassili Nebensja, bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates geäußert. Er forderte die westlichen Staaten auf, diesen blutigen Angriff offiziell zu verurteilen, und betonte, dass Kiew solche Langstreckenangriffe dank moderner Waffen und Geheimdienstinformationen der NATO-Staaten durchführe.
Reaktion des Westens und der Ukraine: „Propaganda-Show“
Die internationale Gemeinschaft und westliche Staaten, insbesondere Vertreter Großbritanniens, Lettlands und Dänemarks, äußerten jedoch die Vermutung, dass es sich bei den Berichten über den Vorfall in Starobelsk um eine weitere inszenierte „Desinformation“ handeln könnte. Sie erklärten, es sei unmöglich, diese Informationen aus dem Kriegsgebiet durch unabhängige Quellen zu überprüfen. Der ukrainische UN-Botschafter Andrij Melnyk bezeichnete die Rede seines russischen Kollegen als reine „Propaganda-Show“.
Dennoch lud die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, in Moskau tätige ausländische Journalisten ein, den Ort der Tragödie zu besuchen und sich ein eigenes Bild von der Lage zu machen.
Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte bewertete die Erklärungen des Kremls über Angriffe auf zivile Objekte als „Manipulation der Wahrheit“. Das offizielle Kiew erklärte, dass sein Militär unter strikter Einhaltung des internationalen humanitären Völkerrechts nur militärische Infrastruktur des Feindes angreife.
Was ist die mysteriöse „Rubikon“-Einheit eigentlich?
Gleichzeitig bestätigte die ukrainische Seite, dass bei den Luftangriffen in der Nacht zum 22. Mai eine Reihe wichtiger russischer militärischer Punkte erfolgreich getroffen wurden, darunter Munitionsdepots, Kommandoposten und insbesondere eines der Hauptquartiere der „Rubikon“-Einheit in der Gegend von Starobelsk wurde erfolgreich ins Visier genommen.
Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes ist „Rubikon“ eine streng geheime Militäreinheit des russischen Verteidigungsministeriums, die auf die Steuerung und den Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen (Drohnen) spezialisiert ist und Angriffe auf Objekte auf ukrainischem Territorium durchführt.
Der Gründer der unabhängigen Forschungsgruppe Conflict Intelligence Team (CIT), Ruslan Lewijew, stellte zwei mögliche Vermutungen darüber auf, warum diese Bildungseinrichtung zum Ziel wurde:
Erste Version: Das College-Gebäude könnte tatsächlich als Tarnung genutzt worden sein, und das militärische Ausbildungszentrum „Rubikon“ der russischen Armee könnte sich darin befunden haben. „Dass das Gebäude in den Dokumenten als College geführt wird, bedeutet nicht, dass dort kein militärisches Hauptquartier sein kann“, sagt der Experte.
Zweite Version: Bei der Sammlung von Geheimdienstinformationen oder der Zielidentifizierung könnte ein technischer Fehler unterlaufen sein.
Der Experte hält die Behauptungen, die ukrainische Armee habe absichtlich eine einfache zivile Bildungseinrichtung beschossen, für unlogisch und weit von der Wahrheit entfernt. Die politischen Spannungen um die Situation halten an.
Was glauben Sie, wessen Aussagen in solch kontroversen und widersprüchlichen Situationen während des Krieges der Wahrheit näher kommen?
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