Infantino unter Druck: Blatter nennt Frau als Kandidatin für die FIFA-Führung

Die Krise rund um die FIFA-Führung hat eine neue Phase erreicht. Der ehemalige Präsident der Organisation, Joseph Blatter, erklärte, Lise Klaveness, Präsidentin des norwegischen Fußballverbands, könnte eine geeignete Kandidatin als Nachfolgerin von Gianni Infantino sein.
Klaveness hat bislang nicht angekündigt, für das FIFA-Präsidentenamt kandidieren zu wollen. Blatters Aussage zeigt jedoch, dass die Suche nach einer Alternative zu Infantino im internationalen Fußball zunehmend offen geführt wird.
Wie begründete Blatter seine Wahl?
Joseph Blatter beschrieb Klaveness im sozialen Netzwerk X als eine Führungspersönlichkeit, die ihren Prinzipien treu bleibt und eine unabhängige Haltung vertritt.
„Lise Klaveness verdient höchsten Respekt. Sie hat stets eine klare Position vertreten und ist nie dem Strom gefolgt. Es ist an der Zeit, dass eine Frau die FIFA führt“, schrieb Blatter.
Die Worte des ehemaligen Präsidenten stellen keine offizielle Nominierung dar. Ein Kandidat für das FIFA-Präsidentenamt muss innerhalb der festgelegten Frist seine Bewerbung einreichen und ausreichende Unterstützung der Mitgliedsverbände der Organisation sammeln. Klaveness selbst hat bislang nicht bekannt gegeben, ob sie an der Wahl teilnehmen will.
Wer ist Lise Klaveness?
Die 45-jährige Klaveness ist Präsidentin des norwegischen Fußballverbands. Die ehemalige Fußballerin absolvierte 73 Spiele für die norwegische Nationalmannschaft und arbeitete anschließend als Juristin, Richterassistentin und Fußballfunktionärin. 2022 wurde sie zur ersten Frau an der Spitze des norwegischen Fußballs.
Klaveness ist für ihre entschiedene Haltung zu Menschenrechten, Transparenz und der Rechenschaftspflicht von Führungspersönlichkeiten im internationalen Fußball bekannt. Beim FIFA-Kongress 2022 kritisierte sie die Arbeitsbedingungen in Katar, die Rechte sexueller Minderheiten und das Verfahren zur Auswahl des WM-Gastgebers offen.
Sie war außerdem eine der wenigen Präsidentinnen und Präsidenten nationaler Verbände, die offen erklärten, dass Norwegen bei seiner vorherigen Wahl nicht für Infantino stimmen würde.
Warum steht Infantino so stark unter Druck?
Der neue Streit um den FIFA-Präsidenten begann nach Plänen, die künftigen kommerziellen Einnahmen der Weltmeisterschaft in eine separate Struktur unter Beteiligung privater Investoren zu übertragen.
Mit dem Plan sollten durch den Verkauf eines 20-prozentigen Anteils an dem neuen Unternehmen 4,2 Milliarden US-Dollar eingenommen werden. Nachdem die UEFA und andere Fußballorganisationen jedoch gewarnt hatten, dass die Idee die Kontrolle der FIFA und die WM-Einnahmen gefährde, wurde das Projekt gestoppt. Die UEFA prüft zudem die Möglichkeit, die FIFA zu verklagen.
Im Anschluss an diese Ereignisse führt Infantino in Marokko dringende Gespräche mit FIFA-Funktionären und Fußballfunktionären. Er versucht, die nachlassende Unterstützung in Europa, Asien und Nordamerika durch Stimmen aus Afrika und anderen Regionen auszugleichen. Einige führende afrikanische Funktionäre haben ihn offen unterstützt, doch die Afrikanische Fußballkonföderation hat noch keine einheitliche offizielle Position bezogen.
Wie ernst sind die Berichte über einen Boykott?
Die UEFA-Mitgliedsverbände diskutierten angesichts der eskalierenden Auseinandersetzung über einen möglichen Boykott von FIFA-Veranstaltungen. Der europäische Fußballverband arbeitet Berichten zufolge derzeit daran, für die Wahl 2027 einen Gegenkandidaten zu Infantino zu finden.
Auch innerhalb der CONCACAF und der Asiatischen Fußballkonföderation gibt es Widerstand gegen Infantinos Projekt. Diese Organisationen haben jedoch keinen offiziellen Misstrauensantrag im Namen aller Mitglieder gestellt. Einige einflussreiche Länder in Asien unterstützen den amtierenden FIFA-Präsidenten weiterhin.
Daher geht es derzeit nicht um einen unmittelbar bevorstehenden Boykott von FIFA-Wettbewerben, sondern um politischen Druck, der bei einem Ausbleiben eines Führungswechsels ausgeübt werden könnte.
Das entscheidende Datum ist der 18. November
Die nächste Wahl des FIFA-Präsidenten soll am 18. März 2027 im marokkanischen Rabat stattfinden. Gegenkandidaten müssen ihre Unterlagen bis zum 18. November 2026 einreichen.
Infantino plant, für eine dritte und letzte vollständige Amtszeit zu kandidieren. Seine Position ist jedoch nicht mehr so stark wie früher: Mehrere Verbände ziehen ihre Unterstützung zurück, während einige hochrangige FIFA-Mitarbeiter den Privatisierungsplan kritisiert haben.
Die Idee, Klaveness als Kandidatin aufzustellen, ist derzeit eine persönliche Initiative Blatters. Sollte sie oder ein anderer starker Fußballfunktionär jedoch bis November offiziell ins Rennen einsteigen, könnte es bei der FIFA zu einem echten Wahlkampf kommen, wie er dort seit vielen Jahren nicht mehr zu beobachten war. Hinterlassen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren und teilen Sie den Artikel mit Sportfans auf Telegram oder anderen sozialen Netzwerken!


















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