Guardiola ist nicht die Lösung: Redknapp warnt England

Guardiola ist nicht die Lösung: Redknapp warnt England

Obwohl die englische Nationalmannschaft bei der WM 2026 die Bronzemedaille gewann, ist eine neue Debatte über die Zukunft des englischen Fußballs entbrannt. Harry Redknapp ist der Meinung, dass die Verpflichtung von Pep Guardiola als Cheftrainer nicht automatisch Trophäen garantiert — das Hauptproblem liegt viel tiefer.

Der ehemalige Trainer forderte den englischen Fußballverband auf, nicht länger großen Namen hinterherzujagen, sondern Thomas Tuchel zu unterstützen und das System der Jugendförderung zu reformieren.

„Pep ist kein Zauberstab“

In einem Interview mit The Sun sagte Redknapp Guardiolas taktische Fähigkeiten wurden hoch gelobt. Er betonte jedoch, er glaube nicht, dass eine Verpflichtung für das englische Nationalteam alle Probleme sofort lösen würde.

„Jeder denkt, Pep sei eine Art Zauberstab im Fußball. Er ist zweifellos ein taktisches Genie.“

Redknapp betonte, dass die Ernennung eines großen Trainers allein nicht ausreicht, um ein großes Turnier zu gewinnen. Der Erfolg einer Nationalmannschaft hängt nicht nur vom Ruf des Trainers ab, sondern auch von der Qualität der Spieler, die das Land hervorbringt.

Vereine haben Geld, Nationalmannschaften haben begrenzte Auswahl

Redknapp wies auf den großen Unterschied zwischen der Arbeit in einem Verein und in einer Nationalmannschaft hin.

Im Vereinsfußball hatte Guardiola die Möglichkeit, die nötigen Spieler für bestimmte Positionen auf dem Transfermarkt zu kaufen. In einer Nationalmannschaft arbeitet ein Trainer nur mit Spielern, die Staatsbürger des Landes sind und zur Auswahl stehen.

„Im internationalen Fußball gibt es kein Scheckbuch und kein Transferfenster. Man arbeitet mit dem, was das eigene Land hervorbringt.“

Daher glaubt Redknapp, dass der langfristige Erfolg Englands nicht von der Verpflichtung eines berühmten Trainers abhängt, sondern von der Verbesserung der Qualität der Jugendarbeit.

Das italienische Szenario ist eine Warnung für England

Redknapp nannte Italien als das ernsteste warnende Beispiel für England.

Der viermalige Weltmeister Italien konnte sich nach den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 auch für die WM 2026 nicht qualifizieren. Eine Niederlage im Elfmeterschießen im Play-off-Finale gegen Bosnien und Herzegowina kostete die Italiener die dritte Weltmeisterschaft in Folge.

Redknapp betonte, dass es auch in England für lokale Talente immer schwieriger wird, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen.

Er glaubt, dass Akademie-Absolventen nicht genug Chancen erhalten, weil Premier-League-Vereine sich mehr darauf verlassen, fertige ausländische Spieler zu kaufen.

Welche Änderungen schlug Redknapp vor?

Der ehemalige Trainer brachte die Idee ein, Regeln einzuführen, die Premier-League-Vereine dazu verpflichten, eine bestimmte Anzahl englischer Spieler einzusetzen.

Er verwies auf seine Zeit bei West Ham als Beispiel und erinnerte daran, dass aus diesem System Spieler wie Frank Lampard, Rio Ferdinand, Michael Carrick, Joe Cole, Jermain Defoe und Glen Johnson hervorgingen.

Redknapp kritisierte auch, dass moderne Akademien zu geschlossenen und „sterilen“ Umgebungen geworden seien. Seiner Meinung nach sollten Jugendspieler die Profis aus der Nähe beobachten, den Wettbewerb im Erwachsenenfußball spüren und früher praktische Erfahrungen sammeln.

Braucht England einen englischen Trainer?

Redknapp wiederholte seine traditionelle Ansicht, dass die Nationalmannschaft nach Möglichkeit von einem einheimischen Experten geleitet werden sollte.

Er nannte Eddie Howe als starken Kandidaten und fügte hinzu, dass ehemaligen Spielern wie Frank Lampard und Steven Gerrard mehr Vertrauen geschenkt werden müsse, um sich als Trainer zu entwickeln.

Redknapps Hauptforderung ist jedoch nicht, Tuchel sofort zu ersetzen. Im Gegenteil, er betonte, dass man dem aktuellen Cheftrainer volles Vertrauen entgegenbringen müsse.

Tuchel erzielte ein historisches Ergebnis mit England

Unter Thomas Tuchel erreichte England das Halbfinale der WM 2026. Nach einer 1:2-Niederlage gegen Argentinien besiegte das Team Frankreich im Spiel um Platz drei mit 6:4.

Dies war Englands bestes WM-Ergebnis seit dem Titelgewinn 1966 und ihre höchste Platzierung bei einem im Ausland ausgetragenen Turnier.

Tuchels ursprünglicher Vertrag war bis zur WM 2026 ausgelegt. Der englische Fußballverband verlängerte die Vereinbarung jedoch im Februar 2026 bis zum Ende der Euro 2028.

„Hören wir auf, Pep hinterherzujagen. Unterstützen wir Tuchel voll und ganz und bringen wir das Jugendsystem in Ordnung“, sagte Redknapp.

Das Hauptproblem ist größer als ein einzelner Trainer

England verfügt derzeit über Spieler, die in der Lage sind, ein großes Turnier zu gewinnen. Der dritte Platz bei der WM 2026 zeigte, dass das Team zur Weltspitze gehört.

Redknapps Warnung richtet sich jedoch an die Zukunft: Wer kommt nach der aktuellen Star-Generation?

Guardiola könnte das Team taktisch verstärken. Aber selbst er kann keinen nicht existierenden Verteidiger oder Stürmer vom Transfermarkt kaufen. Es gibt keinen „Neuen Spieler hinzufügen“-Knopf in einer Nationalmannschaft — das Leben ist kein FIFA-Spiel.

Daher ist die Hauptaufgabe für England nicht, auf Pep zu warten, sondern das System zu schützen, das lokale Spieler und Trainer hervorbringt. Andernfalls könnte das Team, das heute nah an einer Trophäe steht, morgen wie Italien die Weltmeisterschaft von zu Hause aus verfolgen.

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