Türkei ersetzt offiziell „Zentralasien“ durch „Turkestan“

Ankara hat im Rahmen des neuen Bildungsmodells „Jahrhundert der Türkei“ eine bedeutende ideologische Änderung in den Geschichtsbüchern der Schulen vorgenommen. Künftig wird der seit vielen Jahren verwendete geopolitische Begriff „Zentralasien“ durch den historischen Namen „Turkestan“ ersetzt. Welche Ziele stecken hinter dieser Reform und wie wird sie in der Region aufgenommen?
Was ist das Hauptziel der Reform?
Laut dem türkischen Bildungsministerium ist diese terminologische Änderung nicht nur eine Namensaktualisierung, sondern hat eine tiefe ideologische Bedeutung:
Eine einheitliche turkische Identität: In den Lehrbüchern wird die Region künftig als gemeinsamer historischer Raum der turkischen Welt dargestellt, der antike Zivilisationen mit der modernen Türkei verbindet.
Abkehr von externen Definitionen: Hauptziel dieses Schrittes ist es, Definitionen abzulegen, die in der Sowjetzeit und durch die westliche Politikwissenschaft aufgezwungen wurden, und das historische Gedächtnis der turkischen Völker wiederherzustellen.
Perspektivkonflikt: Bündnis und Besorgnis
Diese Änderung löst in den internationalen Beziehungen, insbesondere unter den Staaten der Region und Experten, unterschiedliche Debatten aus:
Partei / Staat | Hauptansatz und Argument | Bewertung der Analysten |
Türkei | Die Region ist die gemeinsame Wiege der turkischen Welt und ein Feld für zukünftige Integration. | Dieser Schritt ist Teil der Strategie von Recep Tayyip Erdoğan, seine Rolle als Führer der turkischen Völker zu stärken. |
Tadschikistan | Offizielle Missbilligung. Historiker betonen, dass die Region niemals ausschließlich aus turkischen Stämmen bestand. | Es besteht die Sorge, dass der Begriff „Turkestan“ symbolisch die iranischsprachigen Völker (Tadschiken) aus dem regionalen historischen Kontext ausschließt. |
Debatte der Historiker: Das Erbe von Sogdien und Baktrien
Tadschikische Wissenschaftler erinnern daran, dass iranischsprachige Zivilisationen einen sehr großen Platz in der Geschichte Zentralasiens einnahmen. Insbesondere das kulturelle Erbe antiker Zentren wie Sogdien, Baktrien und Choresmien zeigt, dass die Region nicht nur einem Ethnos gehört.
Soft Power und großer geopolitischer Wettbewerb
Experten sind der Meinung, dass hinter diesem ideologischen Schritt Ankaras große geopolitische Pläne stehen. In einer Situation, in der der wirtschaftliche und politische Einfluss Russlands und Chinas in der Region sehr stark ist, versucht die Türkei, ihre „Soft Power“ Politik über den kulturellen und bildungspolitischen Bereich zu stärken. Die Gestaltung historischer Bindungen bereits ab der Schulzeit gilt als das stabilste Fundament für eine langfristige strategische Zusammenarbeit.


















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