Pakistan führt Luftangriffe auf Afghanistan durch: Lage eskaliert

Pakistan führt Luftangriffe auf Afghanistan durch: Lage eskaliert

Foto: Reuters

Die Lage an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan hat sich erneut zugespitzt. Am Sonntag führten pakistanische Sicherheitskräfte umfangreiche Land- und Luftoperationen entlang der Grenzgebiete durch. Dabei sollen mindestens 29 Militanten getötet worden sein.

Die Beamten in Kabul bewerten die Situation jedoch völlig anders.

Pakistans Erklärung: Ein vernichtender Schlag gegen Terroristen

Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar gab am Montagmorgen bekannt, dass bei den Landangriffen vier Militanten getötet wurden, die der Gruppe "Jamaat-ul-Ahrar", einem Flügel der "pakistanischen Taliban", zugeordnet werden.

Zudem wurden durch Luftangriffe auf drei spezifische Ziele in den afghanischen Provinzen Paktia, Paktika und Kunar weitere 25 Militanten ausgeschaltet. Berichten zufolge wurden während der Operation auch große Mengen an Waffen- und Munitionslagern zerstört.

Was war die Ursache für diesen Angriff? Die pakistanische Seite gab an, dass dies eine Antwort auf jüngste Terroranschläge sei. Insbesondere bei einem bewaffneten Angriff auf das „Sind Rangers“-Objekt in Karatschi am Samstag waren drei pakistanische Soldaten gestorben und vier weitere verletzt worden.

Taliban-Gegenbehauptung: „Zivilisten wurden getroffen“

Zabihullah Mujahid, Pressesprecher der Taliban-Regierung in Afghanistan, verurteilte das Vorgehen Pakistans scharf und bezeichnete es als „feige Aggression, Verbrechen und Brutalität“.

„Infolge der Angriffe wurden Dutzende von Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, getötet und verletzt“, sagte Mujahid.

Taliban-Vertreter teilten der BBC mit, dass infolge der Luftangriffe mindestens 100 Menschen getötet oder verletzt wurden. Bisher konnte die von beiden Seiten behauptete Zahl der Opfer nicht durch unabhängige Quellen bestätigt werden.

Der anhaltende Grenzkonflikt: Warum scheiterte der Frieden?

Solche blutigen Zusammenstöße zwischen Pakistan und Afghanistan geschehen nicht zum ersten Mal. Die Wurzel des Konflikts liegt in Folgendem:

  • Islamabads Behauptung: Pakistan beschuldigt Afghanistan seit langem, Terroristen Unterschlupf zu gewähren, die Angriffe auf pakistanischem Territorium organisieren.

  • Kabuls Ablehnung: Die Taliban weisen diese Vorwürfe kategorisch zurück und beschuldigen Islamabad, grundlose Angriffe auf Gebiete durchzuführen, in denen Zivilisten leben.

Tatsächlich hatten sich die beiden Länder im Oktober letzten Jahres nach blutigen Zusammenstößen auf einen Waffenstillstand geeinigt. Dieser durch internationale Vermittler erreichte Friede hielt jedoch nicht lange und brach zusammen. Offiziellen Angaben zufolge sind in den letzten Monaten hunderte Menschen bei zeitweiligen Luftangriffen an der Grenze ums Leben gekommen.

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