Schwerelosigkeit verändert das menschliche Bewusstsein: Ähnlichkeiten zu psychedelischen Effekten

Schwerelosigkeit verändert das menschliche Bewusstsein: Ähnlichkeiten zu psychedelischen Effekten

Es hat sich gezeigt, dass Raumflüge nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch die grundlegenden Mechanismen der menschlichen Psyche und des Bewusstseins tiefgreifend beeinflussen. Eine neue Studie von Wissenschaftlern des Birkbeck College der University of London zeigt, dass Schwerelosigkeit die Wahrnehmungsprozesse im Gehirn verändern und Zustände hervorrufen kann, die den Wirkungen psychedelischer Substanzen ähneln. Dies berichtet Ixbt.com Nachrichten berichtet.

Die Forscherinnen Annahita Nezami und Elisa Raffaella Ferre analysierten Daten aus der Weltraummedizin, Psychologie und Neurologie und betonen, dass die Erdgravitation ein zentraler Ankerpunkt bei der Bildung des menschlichen Bewusstseins ist. Von Geburt an formen die Gleichgewichtsorgane, das Sehvermögen und das propriozeptive System unser Weltbild basierend auf der Richtung der Anziehungskraft. Der Verlust dieses fundamentalen Ankers im Weltraum führt zu einer unerwarteten "systemischen Krise" für das Gehirn.

Kognitive Veränderungen im Gehirn und der "Overview Effect"

In der Schwerelosigkeit stimmen die Signale des Innenohrs nicht mehr mit den evolutionär geformten Erwartungen überein. Infolgedessen entsteht ein Konflikt zwischen den Seh- und Gleichgewichtsorganen, der das Gehirn zwingt, seine Arbeitsweise vollständig neu zu strukturieren. Laut ixbt.com erleben Astronauten häufig einen Verlust der räumlichen Orientierung, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und sogar Depersonalisation — das Gefühl der Entfremdung vom eigenen Ich.

Gleichzeitig berichten viele Raumfahrer auch von positiven psychischen Veränderungen. Die Beobachtung unseres Planeten aus der Erdumlaufbahn führt zu einem Phänomen, das als "Overview Effect" bezeichnet wird. Dabei spürt der Mensch eine tiefe Einheit mit der gesamten Menschheit, seine Lebenswerte ändern sich und er erlebt eine starke emotionale Erregung. Wissenschaftler glauben, dass dieser Zustand das Ergebnis einer Lockerung des Wahrnehmungssystems des Gehirns aufgrund der fehlenden Gravitation ist.

Daten aus der Magnetresonanztomographie (MRT) und der Elektroenzephalographie bestätigen diese Hypothese. Nach Langzeitmissionen wurde festgestellt, dass sich die Verteilung der grauen Substanz und die Verbindungen zwischen verschiedenen Bereichen im Gehirn der Astronauten verändert haben. Insbesondere in den neuronalen Netzwerken, die für das Selbstbewusstsein und die interne Kommunikation zuständig sind, finden ernsthafte Umstrukturierungsprozesse statt.

Verbindung zu Psychedelika

Die Autoren der Studie fanden eine interessante Ähnlichkeit zwischen diesen Veränderungen im Weltraum und den Wirkungen von Substanzen wie Psilocybin oder LSD. Obwohl die Wirkmechanismen unterschiedlich sind — Psychedelika wirken auf Serotonin-Rezeptoren, während Schwerelosigkeit ein Umweltfaktor ist — werden in beiden Fällen die stabilsten Wahrnehmungsmodelle des Gehirns geschwächt und die Vernetzung zwischen verschiedenen Bereichen verstärkt.

Nach Schlussfolgerung der Wissenschaftler können Raumflüge als ein einzigartiges "natürliches Labor" zur Erforschung der Natur des menschlichen Bewusstseins dienen. Diese Studien sind nicht nur für Astronauten, die eine zukünftige Kolonisation des Mondes und des Mars planen, sondern auch für das Verständnis wichtig, wie der Mensch sich selbst und seine Umgebung wahrnimmt.

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