Beginnt das Satellitennetzwerk „Rassvet“ Signale über der Ukraine zu senden?

Beginnt das Satellitennetzwerk „Rassvet“ Signale über der Ukraine zu senden?

Russlands Satellitennetzwerk „Rassvet“, das als Alternative zu Starlink entwickelt wird, nähert sich möglicherweise der Möglichkeit, Kommunikationsverbindungen über ukrainischem Gebiet herzustellen. Einer Analyse des ukrainischen Militärmediums „Militarniy“ zufolge erzeugen die in die Umlaufbahn gebrachten Geräte zu bestimmten Zeiten Kommunikationsfenster, die über eine Stunde dauern.

Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied: Bis jetzt geht es nicht um einen tatsächlichen, ununterbrochenen Internetdienst, sondern um Expertenberechnungen, die auf den Flugbahnen und der theoretischen Abdeckung der Satelliten basieren.

Es wird von einer zweimal täglichen Abdeckung über der Ukraine berichtet

Der ukrainische Satellitenkommunikationsexperte Wolodymyr Stepanes hat die Umlaufbahnen der „Rassvet“-Geräte analysiert.

Seiner Einschätzung nach können die Satelliten mindestens zweimal täglich eine relativ stabile Abdeckung über dem ukrainischen Territorium erzeugen. Jeder dieser Zeiträume soll über eine Stunde dauern.

Dem Experten zufolge könnten sich bestimmte Regionen aufgrund der Bewegung der Geräte in mehreren Ketten etwa alle 90 Minuten in deren Sichtfeld befinden.

Zuvor war in einer Analyse, bei der nur drei experimentelle Satelliten beobachtet wurden, jede Kommunikationsmöglichkeit über der Ukraine auf etwa 15 bis 20 Minuten geschätzt worden. Das Hinzufügen neuer Geräte hat die theoretische Abdeckungszeit möglicherweise verlängert.

Die Funktion der Kommunikation ist jedoch noch nicht bestätigt

Der Vorbeiflug eines Satelliten über einem bestimmten Gebiet bedeutet nicht automatisch, dass dort Internetkommunikation funktioniert.

Dazu ist Folgendes erforderlich:

  • Die Inbetriebnahme aller Kommunikationssysteme des Satelliten;

  • Das Vorhandensein eines geeigneten Teilnehmerendgeräts am Boden;

  • Das Funktionieren der Management- und Gateway-Infrastruktur des Netzwerks;

  • Die Konfiguration der entsprechenden Frequenzen und Softwaresysteme.

In offiziellen Informationen von „Büro 1440“ hieß es, dass die zweite Satellitengruppe am 19. Juli in die Umlaufbahn gebracht wurde und die Geräte Kontakt zum Kontrollzentrum aufgenommen haben. Sie werden jedoch erst nach Abschluss der Tests in ihre festgelegte Umlaufbahn wechseln und sich auf den Dienst vorbereiten.

Daher ist die Annahme, dass über der Ukraine „bereits mehrstündige Verbindungen gewährleistet sind“, derzeit eher als orbitale Berechnung eines Experten denn als bewiesene Tatsache zu betrachten.

Was ist das System „Rassvet“?

„Rassvet“ ist ein von der russischen Firma „Büro 1440“ entwickeltes Schmalband- bzw. Breitband-Kommunikationsnetzwerk in erdnaher Umlaufbahn. Das Projekt ähnelt in seiner Aufgabe dem Starlink-System von SpaceX.

Dass seine Satelliten:

  • Die 5G-NTN-Kommunikationsarchitektur nutzen;

  • Daten per Laser zwischen den Geräten übertragen;

  • Über ein Plasmantriebssystem verfügen;

  • Daten mit hoher Geschwindigkeit an spezielle Bodenterminals liefern, ist vorgesehen.

Am 23. März 2026 wurden die ersten 16 Seriengeräte in die Umlaufbahn gebracht. Später verbreiteten sich offene Orbit-Beobachtungsdaten darüber, dass eines davon die festgelegte Höhe nicht erreichen konnte und in die Atmosphäre zurückstürzte.

Am 19. Juli wurde die zweite Gruppe gestartet. Diesmal gab das Unternehmen nicht bekannt, wie viele Geräte in die Umlaufbahn gebracht wurden.

Wann könnte Russland eine ununterbrochene Kommunikation erreichen?

Dem offiziellen Plan von „Büro 1440“ zufolge ist die kommerzielle Inbetriebnahme des Netzwerks für 2027 geplant. Um weltweit rund um die Uhr Kommunikation zu gewährleisten, ist der Start von über 250 Geräten in die Umlaufbahn geplant.

Den Berechnungen von Wolodymyr Stepanez zufolge könnte Russland bei Beibehaltung des aktuellen Starttempos bis Mitte 2027 eine lückenlose Abdeckung über der Ukraine erreichen.

Dieser Zeitraum hängt jedoch von einer Reihe von Faktoren ab:

  • Der Produktionsgeschwindigkeit neuer Satelliten;

  • Den Raketenstartkapazitäten;

  • Der technischen Zuverlässigkeit der Geräte;

  • Der Bereitschaft der Bodenterminals;

  • Internationalen Sanktionen und der Komponentenversorgung.

Daher ist Mitte 2027 kein festes Datum, sondern eine Prognose auf Basis des aktuellen Tempos.

Warum ist das für die Ukraine wichtig?

Starlink ist im Russisch-Ukrainischen Krieg zu einem wichtigen Kommunikationsmittel für Fronteinheiten, unbemannte Fahrzeuge und Führungssysteme geworden. Diese Erfahrung hat die militärische Bedeutung von Satellitennetzwerken in erdnaher Umlaufbahn drastisch erhöht.

Wenn „Rassvet“ vollständig in Betrieb genommen wird, könnte dies Russland Folgendes ermöglichen:

  • Mobile und Backup-Kommunikationskanäle zu schaffen;

  • Daten zu übertragen, wenn gewöhnliche terrestrische Netze nicht funktionieren;

  • Militärische und zivile Einrichtungen in abgelegenen Gebieten zu vernetzen;

  • Die Möglichkeiten zur Steuerung bestimmter unbemannter Systeme zu erweitern.

Die orbitale Abdeckung allein bedeutet jedoch nicht, dass all diese Aufgaben verwirklicht wurden. Für den militärischen Einsatz sind spezielle Terminals, geschützte Software und die gesamte Management-Infrastruktur erforderlich.

Es ist noch zu früh, es mit Starlink gleichzusetzen

„Rassvet“ wird oft als „Russlands Starlink“ bezeichnet. Zwar ist ein solcher Vergleich hinsichtlich des Zwecks angebracht, doch die Systeme sind in ihrem gegenwärtigen Umfang nicht vergleichbar.

Starlink verfügt über Tausende aktive Satelliten, große Produktionskapazitäten und eine umfangreiche Bodeninfrastruktur. „Rassvet“ befindet sich hingegen noch in der Anfangsphase der Stationierung, und sein kommerzieller Dienst wurde noch nicht offiziell gestartet.

Daher ist es noch zu früh zu sagen, dass Russland eine voll funktionsfähige Starlink-Alternative geschaffen hat. Die rasante Entwicklung des Projekts macht es jedoch zu einem technologischen und sicherheitspolitischen Faktor, der nicht ignoriert werden kann.

Hauptfazit

Der Analyse des ukrainischen Experten zufolge haben „Rassvet“-Satelliten begonnen, eine dichtere orbitale Abdeckung über der Ukraine als zuvor zu bilden. Bestimmte Kommunikationsmöglichkeiten können über eine Stunde dauern und sich mehrmals täglich wiederholen.

Dies bedeutet jedoch noch nicht, dass Russland ein in der Praxis funktionierendes Satelliteninternet auf ukrainischem Gebiet eingerichtet hat. Die Information stützt sich auf Expertenwissen basierend auf Umlaufbahnen, und der Betreiber hat lediglich bestätigt, dass die Stationierungs- und Testarbeiten an den Geräten noch andauern.

Die Hauptfrage ist nun — wird Russland in der Lage sein, die geplanten Hunderte von Geräten rechtzeitig in die Umlaufbahn zu bringen und „Rassvet“ in ein echtes, ununterbrochenes Kommunikationssystem zu verwandeln? Hinterlasst eure Vermutungen in den Kommentaren!

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