KI-Agenten entdecken 84 gefährliche Schwachstellen in 4G- und 5G-Netzen

Wissenschaftler der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur haben 84 bisher unbekannte Schwachstellen in der Open-Core-Software von 4G- und 5G-Netzen aufgedeckt. Laut einem Bericht von Help Net Security vom 11. August wurden die meisten dieser Sicherheitslücken, die mithilfe eines neuen KI-gestützten Systems entdeckt wurden, bestätigt. Sie zeigen, wie wichtig der Schutz moderner Mobilfunknetze vor Cyberbedrohungen ist. Laut Ixbt.com berichtet die Meldung.
Das Forschungsteam entwickelte ein Multi-Agenten-System namens iFinder, um Sicherheitslücken automatisiert zu suchen. Das System basiert auf großen Sprachmodellen. iFinder analysiert bekannte Schwachstellen, wandelt deren Merkmale in Suchmuster um und prüft den Quellcode auf verdächtige Fehler. Anschließend werden die gefundenen Varianten mit den Spezifikationen der internationalen Mobilfunkstandards von 3GPP verglichen.
Künstliche Intelligenz und automatisierte Analyse
Der nächste Agent des Systems erstellt einen Proof of Concept (Proof of Concept oder PoC), der die Möglichkeit zur Ausnutzung einer Schwachstelle demonstriert, und testet ihn iterativ in der Netzwerksoftware. Der automatisierte Suchprozess war jedoch nicht fehlerfrei: In einem Kontrollsatz fand iFinder 15 von 22 bereits bekannten Schwachstellen, während sich fast ein Viertel der Kandidaten als Fehlalarme erwies. Alle an die Entwickler gemeldeten Ergebnisse wurden vom Team manuell überprüft und reproduziert.Dem veröffentlichten Bericht zufolge bestätigten die Entwickler 83 Schwachstellen, von denen 81 eine standardisierte CVE-Nummer erhielten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Informationen waren 58 der bestätigten Probleme bereits behoben, für 23 Schwachstellen mit CVE-Nummer gab es jedoch noch keine Korrekturen.
Fehler durch „verwirrtes Vertrauen“ und gefährliche Angriffe
Die meisten der entdeckten Probleme gehören zu einer Klasse, die die Autoren als „Fehler durch verwirrtes Vertrauen“ bezeichnen. Komponenten eines mobilen Netzwerkkerns können Signalisierungsnachrichten benachbarter Funktionen akzeptieren, ohne deren Syntax, Bedeutung und angeforderte Ressourcen ausreichend zu prüfen. Früher wurden solche Schnittstellen durch die physische Isolierung der Komponenten geschützt. Die Verlagerung von Netzwerkkernen in Cloud-Infrastrukturen schafft jedoch zusätzliche Möglichkeiten für den Zugriff auf interne Schnittstellen.Im Rahmen der Studie wurden Open Cores von LTE- und 5G-Netzen analysiert, darunter Open5GS, OpenAirInterface, free5GC, SD-Core und eUPF. Als schwerwiegendster Angriff wurde das Ersetzen der Kennung einer Routing-Regel bei gleichzeitiger Erhöhung ihrer Priorität identifiziert. Bei erfolgreicher Durchführung kann die User-Plane-Funktion den ausgehenden Datenverkehr eines Abonnenten an eine vom Angreifer kontrollierte Adresse umleiten und so dessen Sitzung übernehmen.
Die Autoren betonen, dass diese Schwachstelle auch in kommerziellen 5G-Kernen bestätigt wurde. Für die Durchführung des Angriffs ist jedoch Zugriff auf interne Signalisierungsschnittstellen erforderlich. Die iFinder-Entwickler weisen ausdrücklich darauf hin, dass die bloße Erkennung einer Schwachstelle die Prüfung der Spezifikationen, die Reproduktion des Angriffs und die Behebung des Problems nicht ersetzen kann.

















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