Mourinho sieht beim Remis gegen die Fiorentina drei Gesichter von Real Madrid

Real Madrid trennte sich im ersten großen Härtetest vor der neuen Saison mit einem 2:2-Unentschieden von der Fiorentina. Doch Jose Mourinho interessierten weniger das Ergebnis als vielmehr die drei verschiedenen Gesichter, die die Mannschaft im Laufe der Partie zeigte.
Der portugiesische Trainer erklärte, er habe ein frisches, ein müdes und schließlich ein Real gesehen, das trotz starker Erschöpfung wieder die Kontrolle über das Spiel übernahm. Vor allem Letzteres hinterließ bei ihm einen großen Eindruck.
„Bis zur Pause hätte es 3:0 oder 4:0 stehen können“
In der Begegnung im österreichischen Klagenfurt übernahm Real von den ersten Minuten an die Initiative. Endrick eröffnete den Torreffer, während der junge Alexis Siriya den Vorsprung der Madrilenen ausbaute. Die Fiorentina rettete jedoch durch Tore von Riccardo Piccoli und Moise Kean ein Unentschieden.
Mourinho ist der Ansicht, dass das 2:1 zur Halbzeit die Überlegenheit auf dem Platz nicht vollständig widerspiegelte. Real kreierte zahlreiche Chancen und hätte das Spiel bereits vor der Pause entscheiden können.
„Die frische Mannschaft hat sehr gut gespielt“, bewertete Mourinho die ersten 45 Minuten.
Die Madrilenen setzten die Defensive der Fiorentina durch hohes Pressing, schnelles Passspiel und Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte stark unter Druck. Besonders Arda Gülers Kreativität und der mutige Auftritt der jungen Spieler fielen auf.
Dann zeigte sich das zweite Gesicht von Real
Nach der Pause änderte sich der Charakter des Spiels. Die italienische Mannschaft verstärkte die Zweikampfführung und begann, aggressives Pressing zu spielen. Zu diesem Zeitpunkt machten sich bei den Madrilenen, die noch keine vollständige Saisonvorbereitung absolviert hatten, Ermüdungserscheinungen bemerkbar.
Mourinho beschrieb diese Phase als das „zweite Gesicht“ des Teams. Real konnte nicht mehr so frei angreifen und musste sich vermehrt in Tornähe verteidigen.
Für die jungen Innenverteidiger Joan Martínez und Mario Rivas war das Duell gegen Moise Kean besonders schwer. Mourinho lobte die Leistung der beiden Abwehrspieler, verschwieg jedoch nicht, dass sie noch nicht gänzlich gegen physisch starke Stürmer gewappnet sind.
Diese Einschätzung ist kein Zweifel am Talent der jungen Spieler, sondern verdeutlicht, dass im Profifußball Talent allein nicht ausreicht. Auch Schnelligkeit auf höchstem Niveau, körperliche Robustheit und richtige Entscheidungen unter Druck sind entscheidend.
Das Gesicht, das Mourinho am meisten gefiel
Nachdem die Fiorentina den Ausgleich erzielt hatte, geriet Real kurzzeitig in Bedrängnis. Doch am Ende der Partie fing sich die Mannschaft wieder, ordnete ihre Aktionen und gewann die Spielkontrolle teilweise zurück.
Mourinho bezeichnete genau diesen Moment als das dritte Gesicht des Teams. Er betonte, dass die Spieler trotz starker Erschöpfung nicht als Einzelkämpfer, sondern als geschlossene Einheit weitermachten.
Dies war ein wichtiges Signal für den neuen Cheftrainer. Denn im Laufe der Saison wird Real nicht immer dem Gegner überlegen oder körperlich frischer sein. In solchen Momenten sind gegenseitige Unterstützung, das Halten der Abstände auf dem Feld und Geduld von großer Bedeutung.
70 Minuten nach drei Trainingstagen
Mourinho hob den Einsatz von Denzel Dumfries und Endrick besonders hervor. Obwohl beide Spieler erst seit wenigen Tagen mit der Mannschaft trainierten, hielten sie über 70 Minuten lang durch.
Dumfries spielte in seinem ersten Spiel für seinen neuen Klub aktiv über die rechte Seite. Er übernahm Aufgaben wie das Einschalten in die Offensive, das Eindringen in den gegnerischen Strafraum und das Schaffen von Breite auf dem Flügel. Dennoch machte sich im zweiten Durchgang der Mangel an Vorbereitung bemerkbar.
Endrick erzielte ein Tor und setzte damit ein erstes positives Zeichen für den neuen Trainer. Der Stürmer agierte sehr bewegt, handelte in einigen Situationen jedoch überhastet. Dennoch dürfte ein Tortreffer in der Frühphase der Saisonvorbereitung sein Selbstvertrauen stärken.
Ein großer Test für die Akademie-Spieler
Da einige Leistungsträger, die an der Weltmeisterschaft teilgenommen hatten, noch nicht zur Mannschaft gestoßen waren, gab Mourinho gegen die Fiorentina vielen jungen Spielern eine Chance. Schon zum ersten Trainingsauftakt von Real waren zahlreiche Akteure aus der Akademie hinzugezogen worden.
Joan Martínez und Mario Rivas hinterließen beim Trainer einen besonders guten Eindruck. Mourinho schätzte ihr technisches Potenzial und ihre Zukunftsaussichten hoch ein. Als das Spiel jedoch körperbetonter wurde, machte sich der Unterschied in Erfahrung und Physis bemerkbar.
Für Carlos Espi verlief die Partie noch überraschender. Obwohl er sehr wenig mit dem Team trainiert hatte, kam er zum Einsatz und konnte die Atmosphäre der ersten Mannschaft erleben. Der Trainer bewertete dies als eine wichtige Erfahrung für den Spieler.
„Auch in einem Testspiel bleibt Real eben Real“
Mourinho erinnerte seine Spieler vor dem Anpfiff daran, dass der Name und das Trikot des Klubs in jedem Spiel Verantwortung mit sich bringen. Meinte er doch, dass ein Testspiel zwar nicht ergebnisrelevant sei, Real den Platz aber niemals betrete, um einfach nur Zeit totzuschlagen.
Der portugiesische Coach betonte, er habe die verfügbaren Spieler eingesetzt und nur eine einzige Trainingseinheit zur ernsthaften taktischen Vorbereitung gehabt. Unter diesen Bedingungen gefielen ihm das Spiel in der ersten Halbzeit und der mannschaftliche Zusammenhalt am Ende.
Diese Haltung zeigt, dass Mourinho auch bei diesem neuen Projekt den anspruchsvollen Geist des Klubs an die erste Stelle setzt. Er erwartet von jungen Spielern ebenso wie von etablierten Stars das gleiche Maß an Verantwortung auf dem Platz.
Wann stoßen die Stammspieler hinzu?
Mourinhos größte Sorge ist das späte Eintreffen der Führungsspieler. Er hätte vor der neuen Saison gerne mindestens drei Wochen mit dem kompletten Kader gearbeitet, was jedoch aufgrund internationaler Turniere nicht möglich war.
Wie der Trainer mitteilte, Vinícius Junior, Brahim Díaz und Bernardo Silva werden voraussichtlich in den nächsten Trainingseinheiten zur Mannschaft stoßen. Dumfries, Endrick und andere Spieler sollen ihre körperliche Verfassung indessen über jede neue Trainingseinheit verbessern.
Daher ist es noch zu früh, nach dem Duell gegen die Fiorentina endgültige Schlüsse über das volle Gesicht von Real in der neuen Saison zu ziehen. Für Mourinho war dies vor allem eine Gelegenheit, den Zustand der Spieler zu bewerteten und die Jugend auf großer Bühne zu testen.
Wie fühlt sich die Rückkehr an?
Mourinho wurde im Juni 2026 zum Cheftrainer von Real Madrid ernannt und unterschrieb einen Vertrag bis 2029. Dies ist seine zweite Amtszeit in Madrid.
Auf die Frage, wie es sich anfühle, Real erneut zu betreuen, zeigte sich der Trainer unemotional. Mourinho erklärte, dass die wahren Schlachten noch nicht begonnen hätten und die wahren Emotionen erst mit den Pflichtspielen einhergehen würden.
Diese Antwort verdeutlichte einmal mehr, dass dem portugiesischen Übungsleiter Pflichtspiele, in denen Ergebnisse zählen, wichtiger sind als Vorbereitungsspiele.
Fazit
Das 2:2-Unentschieden gegen die Fiorentina offenbarte die Stärken und Schwächen von Real Madrid in einer einzigen Partie.
In fitter Verfassung zeigte das Team hohes Tempo und effektives Pressing. Als die Erschdigung zunahm, überließ man dem Gegner die Initiative. Doch die Bemühungen der Spieler am Spielende, sich wieder zu sammeln und die Spielkontrolle zurückzuerlangen, gefielen Mourinho am besten.
Nun stehen den portugiesischen Übungsleiter zwei Hauptaufgaben bevor: die Führungsspieler in kurzer Zeit in das Gesamtgefüge zu integrieren und talentierte Youngsters auf die physischen Anforderungen des Profifußballs vorzubereiten.
Welches der drei Gesichter von Mourinhos Real wird in der neuen Saison am häufigsten zu sehen sein? Die ersten Pflichtspiele werden diese Frage beantworten.


















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