USA heben halbjahrhundertaltes Verbot auf: Ära der Überschallflüge in der Zivilluftfahrt

Die US-Luftfahrtbehörde (FAA) hat einen neuen Entwurf für Vorschriften veröffentlicht, der voraussichtlich eine richtungsweisende Wende in der Geschichte der Zivilluftfahrt markieren wird. Das Dokument sieht eine Überarbeitung der seit über einem halben Jahrhundert geltenden Beschränkung vor, die Überschallflüge über Land verbietet. Dieser Schritt könnte den Weg für eine neue Generation von Verkehrsflugzeugen in der Luftfahrtindustrie ebnen und die Reisezeit zwischen Kontinenten erheblich verkürzen. Ixbt.com berichtet darüber.
Das aktuell geltende Verbot wurde in den 1970er-Jahren aufgrund der starken Stoßwellen (Sonic Boom) eingeführt, die von Überschallflugzeugen erzeugt werden. Der neu vorgeschlagene Standard basiert jedoch nicht auf einem vollständigen Flugverbot, sondern auf einer Begrenzung des Schalldruckpegels, der den Boden erreicht. Laut ixbt.com darf einem Flugzeug die Durchbrechung der Schallmauer über US-Gebiet gestattet werden, wenn der von ihm erzeugte Überdruck den Wert von 5,3 Pa (0,11 lbs/sq ft) nicht überschreitet.
Technologische Grenzen und das Concorde-Erbe
Zum Vergleich: Der legendäre Concorde-Liner erzeugte beim Flug mit Mach 2 in 15,8 km Höhe am Boden einen Druck von 1,94 lbs/sq ft. Das ist etwa das 18-Fache des neu vorgeschlagenen Limits. Genau deshalb war die Concorde gezwungen, ihre Überschallflüge nur über Ozeanen durchzuführen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Space Shuttle-Raumschiffe bei der Rückkehr aus dem All einen Druck von etwa 1,25 lbs/sq ft erzeugten, wird deutlich, wie streng der neue Standard ist.Im Rahmen der neuen Vorschriften können Hersteller zwei verschiedene Methoden anwenden. Die erste ist das „Mach cutoff"-Verfahren, bei dem spezifische atmosphärische Eigenschaften dafür sorgen, dass die Stoßwelle sich auflöst, bevor sie den Boden erreicht. Die zweite ist der Einsatz von Flugzeugen der nächsten Generation, die auf „low-boom"-Technologie basieren. Diese Luftfahrzeuge verfügen über eine spezielle aerodynamische Form, um die Stoßwelle maximal zu reduzieren.
Verkehrsflugzeuge der neuen Generation: Boom Supersonic und NASA-Projekte
Derzeit führt Boom Supersonic in diesem Bereich. Im Februar flog das experimentelle Flugzeug XB-1 des Unternehmens mit Mach 1,12 und registrierte an den Bodensensoren keinen Überschallknall. Berechnungen der Unternehmensspezialisten zufolge wird der zukünftige Passagierliner Overture durch einen „leisen" Flugmodus bei Mach 1,3 die Flugzeit transkontinentaler Strecken um mindestens eineinhalb Stunden verkürzen können.Darüber hinaus führt die NASA das Quesst-Programm in Zusammenarbeit mit Lockheed Martin durch. Das im Rahmen dieses Projekts entwickelte Flugzeug X-59 soll dank seines extrem langen Bugbereichs den traditionellen harten Knall in ein weiches „Rumpeln" verwandeln. Im Juni durchbrach dieses Luftfahrzeug erfolgreich die Schallmauer und wird in naher Zukunft Testflüge über verschiedene US-Regionen fortsetzen.
Obwohl die technologischen Fortschritte deutlich sichtbar sind, wird es noch viele Jahre dauern, bis serienmäßige Überschall-Liner auf den Markt kommen. Der Zertifizierungsprozess für eine neue Art von Zivilflugzeug in den USA dauert normalerweise 5 bis 9 Jahre, und die Entwicklung einer kompletten Plattform kann mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Dennoch haben große Fluggesellschaften bereits Vorbestellungen aufgegeben: United Airlines hat 15 und American Airlines 20 Overture-Flugzeuge vorbestellt.

















Kommentare 0
…