“Dead Internet”-Theorie wird Realität: Bot-Traffic überholt Menschen

“Dead Internet”-Theorie wird Realität: Bot-Traffic überholt Menschen

Die in der digitalen Welt seit langem diskutierte “Dead Internet”-Theorie ist längst keine bloße Hypothese mehr, sondern eine durch Zahlen bestätigte Realität. Jüngsten Daten zufolge stammt der Hauptteil des gesamten Traffics im globalen Netz inzwischen nicht mehr von Menschen, sondern von automatisierten Programmen, sogenannten Bots. Es wird erwartet, dass diese Entwicklung eine ernsthafte Herausforderung für die digitale Wirtschaft und Sicherheitssysteme darstellen wird. Dies berichtet Ixbt.com . berichtet.

Laut einem Bericht von Cloudflare machten Bots Ende Juni fast 58 Prozent aller Zugriffe auf Webseiten aus. Damit hat dieser Wert zum ersten Mal in der Geschichte des Internets die menschliche Aktivität übertroffen. Zuvor hatte Cloudflare-Chef Matthew Prince prognostiziert, dass ein solches Szenario erst bis 2027 eintreten würde, doch die rasante Entwicklung von AI-Technologien hat diesen Prozess um mehrere Jahre beschleunigt.

Der rasante Anstieg von AI-Agenten

Experten von Human Security verzeichneten im vergangenen Jahr einen Anstieg der Aktivität von AI-Agenten um 8.000 Prozent, die selbstständig Links aufrufen, Formulare ausfüllen und im Auftrag von Nutzern handeln können. Ein Thales-Bericht prognostizierte zuvor, dass der Bot-Traffic bis 2025 bei 53 Prozent liegen würde, doch in der Realität wurden diese Werte bereits übertroffen. Am schlimmsten ist, dass fast 40 Prozent dieser automatisierten Aktivität schädlicher Natur sind.

Dieser Trend zeigt sich deutlich auf großen Finanz- und Technologieplattformen. Beispielsweise werden 70 Prozent der Anfragen an die API des Zahlungssystems Stripe von Software-Agenten durchgeführt. Auf der Plattform Alpaca stieg der Anteil der Bots innerhalb nur eines Quartals von 10 Prozent auf 30 Prozent. Dies verdeutlicht, dass sich die Funktionsweisen des Internets grundlegend verändern.

Traditionelle Schutzsysteme versagen

Heutzutage erweisen sich traditionelle Schutzmethoden wie CAPTCHA zunehmend als unfähig, moderne AI-Agenten von Menschen zu unterscheiden. Aus diesem Grund hat Cloudflare das System Precursor vorgestellt, das nicht nur einzelne Nutzeraktionen, sondern die gesamte Sitzung analysiert. Experten zufolge klassifizieren bestehende Systeme 7-15 Prozent der normalen Nutzer irrtümlich als Bots, während viele intelligente Bots problemlos durch die Filter schlüpfen.

Um die Situation zu regulieren, haben Giganten wie Google, Microsoft, Mozilla und Cloudflare mit der Arbeit an einem neuen Protokoll namens PACT begonnen. Diese Technologie ermöglicht es, zu bestätigen, dass ein Besucher tatsächlich ein Mensch ist, ohne seine Identität preiszugeben. Dies ist eine Existenzfrage für das aktuelle Internet-Ökosystem, das auf einem Werbemodell basiert und das Verhalten realer Nutzer analysiert.

Es wird erwartet, dass sich dieser Prozess in Zukunft noch weiter ausdehnt. Laut einer Analyse von PitchBook decken AI-Agenten derzeit nur 1 Prozent des potenziellen Arbeitsvolumens ab, das sie theoretisch ausführen könnten. Das bedeutet, dass der menschliche Anteil im Internet in den kommenden Jahren weiter sinken wird. Vor diesem Hintergrund kündigte Cloudflare an, dass datensammelnde AI-Crawler ab September Verlagen für die Nutzung ihrer Inhalte bezahlen müssen.

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