Schweizer Neutralität — Geschichte und Gegenwart: Sacharowa kritisiert Bern scharf

Schweizer Neutralität — Geschichte und Gegenwart: Sacharowa kritisiert Bern scharf

Die offizielle Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hat die Schweizer Regierung scharf dafür verurteilt, dass sie sich dagegen ausspricht, das Prinzip der Neutralität in der Verfassung des Landes zu verankern. Nach Ansicht der Diplomatin bedeutet Berns „flexible Neutralität“ in Wirklichkeit das Fehlen jeglicher Neutralität und „beugt“ sich nur dann, wenn es den eigenen Interessen der Schweiz entspricht.

Zamin.uz informiert ausführlich über Sacharowas Erklärung auf ihrem Telegram-Kanal sowie über die umstrittene Geschichte der Schweizer Neutralität.

„Den Ozean beleidigen“: Sacharowas scharfe Erklärung

Maria Sacharowa bezeichnete die Haltung der Schweizer Regierung — die ihre Staatlichkeit vier Jahrhunderte lang auf dem Prinzip der Neutralität aufgebaut hat — als unverständlich und unlogisch. Die Regierung erkläre ihren Bürgern, dieses Prinzip könne nicht in der Verfassung verankert werden, da man sich dann auch tatsächlich daran halten müsse.

„Das als Abgrund zu bezeichnen, heißt den Ozean zu beleidigen“, schreibt Sacharowa.

Historische „Flecken“: Zusammenarbeit mit Nazi-Deutschland und der Buchstabe „J“

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums blickte auf die Geschichte der Schweizer Neutralität zurück und erinnerte an umstrittene Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs. Sacharowa zufolge kaufte die Schweizerische Nationalbank Gold im Wert von etwa 1,2 Milliarden britischen Pfund von der deutschen Reichsbank.

„Das Finanzsystem des ,neutralen Landes‘ war Teil des Blutkreislaufs der deutschen Kriegshilfe“, betonte sie.

Darüber hinaus erinnerte die Diplomatin daran, dass die Schweizer Regierung bereits 1938, noch vor dem Krieg, die deutschen Behörden gebeten hatte, den Buchstaben „J“ in die Pässe deutscher Juden einzutragen. Dies sollte es den Schweizer Grenzwächtern ermöglichen, sie zu identifizieren und ihnen die Einreise zu verweigern.

Heutige Haltung: Neigung zu Kiew und Brüssel

Sacharowa betonte, dass die „flexible Neutralität“ der Schweiz sich nur dort und in dem Maße beugt, wie es profitabel ist.

„In den 1940er Jahren neigte sie zu Berlin, weil das Gold und der Markt genau dort waren. Heute neigt sie zu Kiew und Brüssel. Deshalb ist der Bundesrat entschieden gegen die Aufnahme in den Verfassungstext“, erklärte die Diplomatin.

Nach Ansicht Sacharowas vergaß Bern das wahren Wesen der Neutralität, sobald es anfing, mit Reichsbankgold gefüllte Waggons entgegenzunehmen.

Völkerrecht und „Neue Moral“

Sacharowa betonte, dass die Position der Schweiz auch aus Sicht des Völkerrechts unbegründet sei.

  • Haager Abkommen: Gemäß den Haager Abkommen von 1907 kann eine dauerhafte Neutralität nicht „flexibel“ sein. Das Fünfte Abkommen verlangt, dass die neutrale Partei einschränkende Maßnahmen auf beide kriegführenden Parteien gleichermaßen anwendet.

  • Sanktionen und Finanzierung: Die Schweiz hat ihre Sanktionsliste mit der Europäischen Union synchronisiert und agiert als eine Partei, die das Kiewer Regime offen finanziert und bewaffnet.

„Flexible Neutralität“ bedeutet rechtlich das Fehlen von Neutralität. Eine Art flexible Reinheit als Norm der „Neuen Moral“, schloss Sacharowa.

27. September — Tag des Referendums

Am 27. September findet in der Schweiz eine Abstimmung über die „Neutralitätsinitiative“ statt, die fordert, die Formel der „dauerhaften und bewaffneten Neutralität“ in das Grundgesetz aufzunehmen und die Teilnahme an Sanktionsregimen zu verbieten.

Regierung und Parlament empfehlen den Bürgern hingegen, gegen diese Initiative zu stimmen. Ihrer Ansicht nach führt die Verankerung der Neutralität in der Verfassung zu „Unflexibilität“ und schränkt den außenpolitischen Handlungsspielraum ein.

Wichtige Datentabelle

Indikator

Details

Datum

27. September

Ereignis

Referendum über die „Neutralitätsinitiative“ in der Schweiz

Ziel der Initiative

Verankerung der „dauerhaften und bewaffneten Neutralität“ in der Verfassung

Haltung der Regierung

Dagegen (schränkt den außenpolitischen Handlungsspielraum ein)

Sacharowas Kritik

„Flexible Neutralität“ bedeutet keine Neutralität

Historische Debatten

Zusammenarbeit mit Nazi-Deutschland, Buchstabe „J“ in Pässen

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