Die Süßwasserreserven der Welt: Welches Land führt das Ranking an?

Die Süßwasserreserven der Welt: Welches Land führt das Ranking an?

Viele Länder verfügen über große Süßwasserreserven, doch das Bild verändert sich dramatisch, wenn man die Werte durch die Bevölkerungszahl teilt. Eine von Visual Capitalist auf Grundlage von Daten der Weltbank und Our World in Data erstellte Analyse kürte Island zum klaren Spitzenreiter bei den erneuerbaren Süßwasserressourcen pro Kopf.

Nach den neuesten verfügbaren Daten entfallen in Island jährlich fast 445.000 Kubikmeter Wasser auf jede Person. Das ist 1,5-mal mehr als im zweitplatzierten Guyana.

Warum liegt Island so deutlich vor den anderen?

Der im Ranking berücksichtigte Indikator zeigt das Verhältnis der durch Niederschläge entstehenden Flussabflüsse und der sich erneuernden Grundwasservorkommen innerhalb eines Landes zu seiner Bevölkerung.

In Island beträgt dieser Wert 445.023 Kubikmeter pro Person und Jahr. In amerikanischen Maßeinheiten entspricht das etwa 15,7 Millionen Kubikfuß.

Drei Hauptfaktoren tragen zu diesem außergewöhnlichen Ergebnis bei:

  • die große Zahl an Gletschern und wasserreichen Flüssen;

  • relativ reichliche Niederschläge während des gesamten Jahres;

  • die sehr geringe Bevölkerungszahl.

Mit anderen Worten: Islands Vorteil erklärt sich nicht nur durch die Wassermenge, sondern auch durch die geringe Zahl der Menschen, die diese Ressource teilen.

Auch Guyana und Suriname liegen weit vorn

Guyana belegte den zweiten Platz: Pro Person stehen dort jährlich mehr als 293.000 Kubikmeter Wasser zur Verfügung. In Suriname beträgt der Wert fast 159.000 Kubikmeter.

Beide Länder liegen in einer feuchten Region nahe dem Äquator. Starke Niederschläge, große Flüsse und eine relativ geringe Bevölkerung haben sie an die Spitze des Rankings gebracht.

Auf Grundlage der Daten von 2022 sieht die Top 10 wie folgt aus:

Rang

Land

Pro Person, Kubikmeter/Jahr

1

Island

445.023

2

Guyana

293.317

3

Suriname

158.867

4

Bhutan

99.880

5

Papua-Neuguinea

78.510

6

Kanada

73.170

7

Norwegen

70.000

8

Gabun

67.470

9

Neuseeland

64.350

10

Salomonen

57.230

Große Reserven garantieren keine Spitzenposition

Brasilien, Russland und Kanada gehören gemessen an den gesamten erneuerbaren Wasserressourcen zu den wasserreichsten Ländern der Welt. Pro Kopf betrachtet reichen die Größe eines Landes oder das Gesamtvolumen seiner Flüsse jedoch nicht aus.

In Russland entfallen beispielsweise jährlich fast 29.900 Kubikmeter Wasser auf jede Person. Das ist zwar ein sehr hoher Wert, liegt aber etwa 15-mal unter dem Ergebnis Islands.

Außerdem bedeutet die Verfügbarkeit von Wasser nicht, dass es für Menschen und Landwirtschaft günstig gelegen ist. Viele große Wasserquellen in Kanada und Russland befinden sich weit entfernt von dicht besiedelten Zentren.

Daher kann es selbst in einem insgesamt wasserreichen Land in bestimmten Städten oder Agrarregionen zu Engpässen kommen.

Wie viel Wasser entfällt pro Person in Usbekistan?

Nach dem entsprechenden Indikator der Weltbank verfügt Usbekistan über etwa 468 Kubikmeter internes erneuerbares Süßwasser pro Person und Jahr.

Das ist fast 950-mal weniger als der Wert Islands. Unter den Nachbarländern liegt der Wert in Kasachstan bei 3.212, in Kirgisistan bei 7.015 und in Tadschikistan bei 6.232 Kubikmetern.

Nach dem Ansatz der FAO kann eine Verfügbarkeit von weniger als 1.000 Kubikmetern intern erneuerbarem Wasser pro Person und Jahr zu einer ernsthaften Einschränkung der sozioökonomischen Entwicklung werden. Der Bereich von 500–1.000 Kubikmetern gilt als einer der Schwellenwerte zur Bewertung chronischer Wasserknappheit.

Die Wasserversorgung Usbekistans hängt jedoch nicht ausschließlich von den im Land selbst entstehenden Ressourcen ab. Wasser aus grenzüberschreitenden Flüssen wie Amudarja und Syrdarja spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle für Wirtschaft und Landwirtschaft. Deshalb beschreibt der Wert von 468 Kubikmetern nicht die gesamte tatsächlich genutzte Wassermenge des Landes, sondern nur die internen erneuerbaren Ressourcen.

Was zeigt dieses Ranking nicht?

Eine hohe Platzierung bedeutet nicht, dass die gesamte Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser versorgt ist oder die Wasserinfrastruktur perfekt funktioniert.

Der Indikator berücksichtigt nicht:

  • die Wasserqualität;

  • die Möglichkeit, das Wasser zur Bevölkerung zu transportieren;

  • saisonale Dürren;

  • Unterschiede zwischen den Regionen;

  • den Zustand von Stauseen und Leitungen;

  • die Effizienz in der Landwirtschaft.

Our World in Data weist ebenfalls darauf hin, dass die Länderberechnungen auf Schätzungen aus unterschiedlichen Jahren und Quellen beruhen und saisonale sowie regionale Unterschiede nicht vollständig abbilden. Daher sollte das Ranking nicht als fertige Bewertung der Wassersicherheit verstanden werden, sondern als Verhältnis zwischen natürlichen Ressourcen und Bevölkerungszahl.

Islands Ergebnis von 445.000 Kubikmetern zeigt eine seltene Verbindung von Natur und Demografie. Doch beim Wasser besteht wahrer Reichtum nicht nur in der Ressource selbst, sondern darin, sie für Menschen, Wirtschaft und künftige Generationen richtig zu verwalten. Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren und verbreiten Sie den Artikel über Telegram oder andere soziale Netzwerke!

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