Neue Verfassung in Kasachstan in Kraft getreten: Machtsystem im Wandel

Am 1. Juli begann in Kasachstan ein umfassender Prozess zur Erneuerung des staatlichen Verwaltungssystems. Auf einer gemeinsamen Sitzung der Parlamentskammern bezeichnete Präsident Kassym-Jomart Tokajew diese Änderungen als eine „Generalüberholung“ des gesamten kasachischen Staatswesens.
Unter Beibehaltung des präsidentiellen Regierungssystems ändert die neue Verfassung die Parlamentsstruktur, die Rechenschaftspflicht der Regierung und die Beziehungen zwischen den staatlichen Institutionen.
Tokajew erklärte, dass eine neue Ära in der Staatsführung begonnen habe
Kassym-Jomart Tokajew betonte, dass die Unabhängigkeit und Souveränität des Landes das grundlegende Fundament der laufenden Reformen bleiben.
Das Staatsoberhaupt erklärte, dass das Hauptziel der Reformen darin bestehe, die Effizienz der Verwaltung zu steigern, übermäßige Bürokratie abzubauen und die Verantwortung der staatlichen Organe gegenüber der Gesellschaft zu stärken.
„Wir haben eine Generalüberholung des gesamten Gebäudes der kasachischen Staatlichkeit, seines Fundaments und seiner Hauptpfeiler geplant“, sagte Tokajew.
Der Präsident kündigte an, dass das neue politische System nach dem Prinzip „starker Präsident — einflussreiches Kurultai — rechenschaftspflichtige Regierung“ arbeiten werde.
Präsidiales Regierungssystem bleibt erhalten
Auch nach Inkrafttreten der neuen Verfassung bleibt Kasachstan ein Staat mit präsidialer Regierungsform.
Der Präsident ist der Hauptgarant der Verfassung, der Unabhängigkeit des Landes, der territorialen Integrität und der Einheit des Volkes. Das Staatsoberhaupt ist zudem:
höchster Amtsträger und Oberbefehlshaber;
bestimmt die Hauptrichtungen der Innen- und Außenpolitik;
vertritt Kasachstan auf internationaler Ebene;
ernennt die Leiter der Strafverfolgungsbehörden.
Nach Angaben des offiziellen Astana zielen die Reformen nicht darauf ab, die Institution des Präsidenten zu schwächen, sondern die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten zwischen den staatlichen Stellen klarer zu verteilen.
Kurultai ersetzt das Zweikammerparlament
Eine der größten Änderungen der Reformen ist die Abkehr vom Zweikammerparlament. Anstelle von Senat und Mazhilis wird ein einziges gesetzgebendes Organ — das Einkammer-Kurultai — geschaffen.
Das neue Parlament wird aus 145 Abgeordneten bestehen. Diese sollen auf Basis von Parteilisten gewählt werden.
Tokajew betonte, dass das Kurultai überflüssige bürokratische Verfahren loswerden, Gesetze schneller und qualitativ hochwertiger verabschieden und eine wirksame Kontrolle über die Tätigkeit der Regierung ausüben müsse.
Der kasachische Staatschef kündigte an, dass die Wahlen zum neuen Parlament im August 2026 stattfinden werden. Er sagte, er werde das Dekret zur Ansetzung der Wahlen unterzeichnen, sobald die Verfassung in Kraft tritt.
Amt des Vizepräsidenten wird eingeführt
Eine weitere wichtige politische Änderung für Kasachstan im neuen Grundgesetz ist die Wiedereinführung des Amtes des Vizepräsidenten.
Dieses Amt war in Kasachstan 1996 abgeschafft worden. Im neuen System wird der Vizepräsident vom Staatsoberhaupt ernannt und könnte eine wichtige Rolle bei der Nachfolge der Präsidentschaftsbefugnisse spielen.
Laut Reuters-Analysen könnte die Einführung des Vizepräsidentenamtes einen Mechanismus für die Machtübertragung an einen zukünftigen Präsidenten schaffen. Tokajews aktuelle einzige siebenjährige Amtszeit endet im Jahr 2029.
87 Prozent der Wähler unterstützten die Reform beim Referendum
Die neue Verfassung Kasachstans wurde in einem landesweiten Referendum am 15. März 2026 gebilligt.
Den offiziellen Ergebnissen der Zentralen Wahlkommission zufolge:
lag die Wahlbeteiligung bei 73,12 Prozent;
stimmten 87,15 Prozent der Wähler für die neue Verfassung;
stimmten fast 10 Prozent der Teilnehmer dagegen.
Das neue Dokument sieht die Reorganisation des Parlaments, die Einführung des Vizepräsidentenamtes und die Aktualisierung der Kompetenzverteilung zwischen den staatlichen Institutionen vor.
Reformen werden unterschiedlich bewertet
Kasachische Beamte bewerten die neue Verfassung als einen historischen Schritt zur Modernisierung der Staatsführung und zur Steigerung der Effizienz des politischen Systems.
Einige politische Analysten betonen jedoch, dass die Ernennung des Vizepräsidenten durch den Präsidenten selbst und die Beibehaltung der weitreichenden Befugnisse des Staatsoberhauptes den Einfluss der Exekutive weiter stärken könnten.
Tokajew wies Spekulationen über Pläne für eine vorzeitige Machtübergabe zurück und erklärte, dass die nächste Präsidentschaftswahl 2029 stattfinden werde.
Die am 1. Juli in Kraft getretene neue Verfassung ist eine der größten Veränderungen im politischen System Kasachstans. Wie die Reformen in der Praxis funktionieren und wie effektiv das neue Kurultai die Regierung kontrollieren kann, wird sich nach den Wahlen im August deutlicher zeigen.


















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