El-Niño-Gefahr: Haie erobern neue Lebensräume

El-Niño-Gefahr: Haie erobern neue Lebensräume

Meereswissenschaftler warnen, dass die Verstärkung des Klimaphänomens El Niño erhebliche Auswirkungen auf die Wanderung von Ozeanlebewesen haben könnte. Experten zufolge ist es infolge des drastischen Wassertemperaturanstiegs sehr wahrscheinlich, dass Haie, giftige Seeschlangen und andere Meeresbewohner, die sonst dort nicht vorkommen, in neue Gewässer abwandern.

Laut Angaben der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanographiebehörde (NOAA) wird erwartet, dass El Niño bis zum Herbst dieses Jahres eine mäßige bis starke Phase erreicht. Derzeit haben sich die Meereswassertemperaturen nahe der US-Westküste auf Rekordwerte erwärmt. Daher betonen Wissenschaftler, dass es zu schwerwiegenden Veränderungen im Meeresökosystem kommen kann.

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, das dadurch entsteht, dass sich die von Ost nach West wehenden Winde im Pazifischen Ozean abschwächen oder ihre Richtung ändern, wodurch sich warme Wassermassen anstelle der asiatischen Küste in Richtung USA bewegen. Dieser Prozess tritt gewöhnlich alle zwei bis sieben Jahre auf und kann 9 bis 12 Monate anhalten.

Der NOAA-Prognose zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit für einen „sehr starken“ El Niño im Zeitraum von November 2026 bis Januar 2027 bei 63 Prozent. Experten sagen, dies könnte eines der stärksten El-Niño-Ereignisse der Geschichte werden. Vertreter der Behörde merkten jedoch auch an, dass diese Situation kein Grund zur Panik sei.

Ken Graham, Direktor des NOAA-Nationalwetterdienstes, betonte, dass jeder El Niño seine eigenen Besonderheiten aufweist und die Auswirkungen unterschiedlich ausfallen. Dank moderner Beobachtungssysteme und wissenschaftlicher Analysen haben sich die Möglichkeiten erweitert, mögliche Veränderungen vorherzusagen und die Bevölkerung vorzubereiten.

Wissenschaftler betonen, dass sich insbesondere die Zahl und Artenvielfalt von Haien verändern kann. Es wird erwartet, dass nicht nur Weiße Haie, sondern auch Tigerhaie, Bullenhaie und Hammerhaie in neuen Gebieten auftauchen. Chris Lowe, Professor an der California State University, erklärte, dass junge Weiße Haie begonnen haben, ihre traditionellen Lebensräume in San Diego zu verlassen, und dass durch den Einfluss von El Niño noch unerwartetere Arten den Küsten nahekommen könnten.

Experten weisen zudem darauf hin, dass dies nicht auf Haie beschränkt ist. Tropische Kreaturen wie Goldmakrelen, Blauflossenthunfische, Meeresschildkröten und giftige Seeschlangen könnten ebenfalls in neuen Regionen angetroffen werden. Nach Ansicht von Douglas McCauley, Leiter der Benioff Ocean Initiative an der Universität Kalifornien, ist es durchaus wahrscheinlich, dass in den kalifornischen Gewässern zahlreiche „ungewöhnliche tropische Lebewesen“ auftauchen, die dort zuvor kaum beobachtet wurden.

Eines davon ist die stark giftige Gelbbauchseeschlange, die normalerweise nicht in kalifornischen Gewässern lebt. Wissenschaftler erklären, dass solche Arten aufgrund des warmen Wassers vorübergehend in diese Regionen vordringen können.

Darüber hinaus kann der Temperaturanstieg des Wassers die Vermehrung giftiger Algen namens Pseudo-nitzschia beschleunigen. Die von ihnen produzierte Dominsäure ist gefährlich für Menschen und Meerestiere. Während des starken marinen Hitzewellenereignisses namens „The Blob“ im Jahr 2015 wurde der Fang von Krabben und anderen Meeresfrüchten an der US-Westküste vorübergehend eingestellt.

Experten schließen nicht aus, dass auch diesmal ähnliche Veränderungen beobachtet werden könnten. Gleichzeitig wird angemerkt, dass sich Haie und Wale den Küsten nähern können, während bestimmte Fischarten, insbesondere Thunfischbestände, in einigen Gebieten zunehmen könnten.

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