Massenproteste und Verhaftungen in Aserbaidschan wegen Schuluniform-Vorschriften

In mehreren Regionen Aserbaidschans kam es nach der Einführung strenger Beschränkungen für das Tragen von Hijabs und religiösen Kopftüchern an Schulen zu heftigen sozialen Protesten und Massendemonstrationen. Berichten lokaler und ausländischer Medien vom 12. Oktober zufolge haben die neuen Standards des Ministerkabinetts für eine einheitliche Schuluniform eine hitzige Debatte in der Gesellschaft ausgelöst.
Obwohl das Wort „Hijab“ im Dokument nicht direkt erwähnt wird, wurden die Schulverwaltungen angewiesen, die genehmigten Uniformvorschriften strikt durchzusetzen, wobei jede Form religiöser Kopfbedeckung als unvereinbar mit den Regeln der säkularen Bildung eingestuft wird.
Position der Regierung: Säkularismus und soziale Gleichheit
Die Behörden des Landes begründen die neuen Vorschriften und Anforderungen mit folgenden Faktoren:
Prinzip der säkularen Bildung: Die Regierung betont als Hauptkriterium die Wahrung des säkularen Charakters des Staates und den Ausschluss religiöser Symbole aus dem Bildungsprozess;
Verringerung von Unterschieden: Ziel ist es, soziale, religiöse und ethnische Unterschiede unter den Kindern in der Schule zu mildern und ein einheitliches Umfeld für alle Schüler zu schaffen.
Proteste, Unterrichtsboykott und Unruhen
Der Widerstand gegen die Beschränkungen nahm insbesondere in den Gebieten um die Hauptstadt eine scharfe Wendung:
Demonstrationen vor einer Schule in Baku: Rund um die Schule Nr. 69 in der Siedlung Balaxani in Baku spitzte sich die Lage dramatisch zu. Eltern und Schüler gingen mit Slogans wie „Der Hijab ist kein Hindernis für Bildung!“ auf die Straße;
Massenboykott: Um sich mit den Mädchen zu solidarisieren, die nicht zum Unterricht zugelassen wurden, stellten Hunderte Schüler den Schulbesuch ein und riefen zum Boykott auf;
Forderung an Lehrkräfte: Die Beschränkungen betrafen auch das pädagogische Personal – Lehrerinnen mit Kopftuch wurden aufgefordert, diese abzulegen oder freiwillig zu kündigen;
Gewalt und ein in Brand gestecktes Auto: In einigen Bezirken eskalierten die Proteste zu Zusammenstößen – Demonstranten versuchten, Schulgebäude zu stürmen, und auf dem Hof einer der Schulen wurde das Auto des Direktors in Brand gesetzt.
37 Verhaftungen, Internetausfälle und Verfassungsdebatte
Die Strafverfolgungsbehörden reagierten mit schnellen Maßnahmen auf die Demonstrationen:
Erklärung des Innenministeriums: Das aserbaidschanische Innenministerium gab bekannt, dass ein Strafverfahren wegen grober Störung der öffentlichen Ordnung eingeleitet wurde und 37 Personen festgenommen und inhaftiert wurden;
Internetsperren: Vor dem Hintergrund der Eskalation kam es im ganzen Land zu weitreichenden Ausfällen beim Internetzugang und bei populären sozialen Netzwerken;
Verfassungsrechte: Aktivisten und Eltern, die sich gegen die Reform aussprechen, betonen, dass die neuen Beschränkungen die Artikel 25, 42 und 48 der aserbaidschanischen Verfassung verletzen, die das Recht auf kostenlose Bildung und Glaubensfreiheit garantieren.
Bisher hat das Ministerium für Wissenschaft und Bildung Aserbaidschans keine Zugeständnisse oder Kompromissbereitschaft signalisiert, während die Spannungen um die Bildungseinrichtungen weiter anhalten.

















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