Der Schicksalstest am 27. Oktober: Wie endet das Rennen zwischen Netanjahu und General Eisenkot?

Der Schicksalstest am 27. Oktober: Wie endet das Rennen zwischen Netanjahu und General Eisenkot?

Am 27. Oktober finden in Israel wichtige Parlamentswahlen statt, die über das Schicksal des Landes und die Zukunft des gesamten Nahen Ostens entscheiden werden. Es ist die erste landesweite Abstimmung seit den Tragödien vom 7. Oktober und dem Beginn des umfassenden Krieges in Gaza.

Egal wie sehr der amtierende Premierminister Benjamin Netanjahu mit militärischer und harter Rhetorik auftritt, die tiefe Spaltung der Gesellschaft und die Einigung der Oppositionskräfte stellen seinen Verbleib an der Macht stark in Frage.

Gesellschaftlicher Unmut und der Hauptkonkurrent: General Gadi Eisenkot

Wähler und politische Kräfte, die der Politik Netanjahus kritisch gegenüberstehen, werfen ihm vor, die Angriffe vom 7. Oktober nicht verhindert zu haben und die Tragödie politisiert zu haben, um seinen eigenen Sitz zu sichern:

  • Die «Jesch-Atid»-Partei und der General-Faktor: Als Netanjahus Hauptkonkurrent tritt der ehemalige Generalstabschef der israelischen Armee, General Gadi Eisenkot, auf die Bühne;

  • Verteilung der Umfragewerte: Umfragen zufolge hat Netanjahus «Likud» zwar einen leichten Vorsprung bei der Parteienwahl, doch in der direkten Frage «Wer ist als Premierminister geeignet?» liegt General Eisenkot deutlich vor dem amtierenden Regierungschef;

  • Oppositionsbündnis: Um Netanjahus langjährige Herrschaft zu beenden, bündeln auch die beiden ehemaligen Premierminister Jair Lapid und Naftali Bennett ihre Kräfte. Sie verfügen über die Erfahrung, 2021 Parteien mit unterschiedlichen Ansichten in einer Koalition zu vereinen und «Bibi» vorübergehend von der Macht zu verdrängen.

Zwei politische Richtungen: Radikalismus oder Ausgleich?

Bei dieser Wahl stehen sich die Ansichten der Kandidaten radikal gegenüber:

  • Haltung zur arabischen Bevölkerung: Gegenüber den Arabern, die 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, nehmen Netanjahu und sein rechtsextremer Verbündeter Bezalel Smotrich («Religiöser Zionismus und Otzma Jehudit») eine radikale Position ein und stellen sie als potenzielle Bedrohung dar. Eisenkot hingegen betont die Notwendigkeit, die Millionen arabischen Bürger nicht aus der Gesellschaft auszuschließen und sie einzubeziehen;

  • Land- und Grenzfragen: Die amtierende Regierung versucht, den Bau jüdischer Siedlungen in palästinensischen Gebieten zu verstärken und einen Zustand ständiger militärischer Konfrontation mit allen Nachbarstaaten aufrechtzuerhalten. Die Opposition hingegen erklärt, dass dieser Ansatz die Situation nur verschlimmere und es notwendig sei, langfristige Stabilität sowie Israels verlorenes internationales Ansehen wiederherzustellen;

  • Wahlkampfslogan: Netanjahu versucht, die Wähler mit der Drohung «Entweder Likud oder ein palästinensischer Staat» unter Druck zu setzen.

Das Wahlsystem der Knesset: Warum ist die Koalition entscheidend?

Die Regierungsbildung im israelischen Parlament folgt eigenen Gesetzen:

  • Parteiliste und 120 Sitze: Die Bürger wählen nicht einzelne Kandidaten, sondern Parteien. In der 120 Sitze umfassenden Knesset werden die Abgeordnetensitze entsprechend dem prozentualen Anteil der Stimmen verteilt, die die Parteien erhalten haben;

  • 61 Stimmen erforderlich: Für die Regierungsbildung ist die Unterstützung von mindestens 61 Abgeordneten erforderlich. Da die israelische Gesellschaft äußerst vielfältig ist, kann keine Partei allein die Mehrheit bilden;

  • Kampf der Koalitionen: Nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse entscheidet sich der Name des Premierministers danach, wer mehr Verbündete sammeln kann. Wenn sich die Opposition einigen kann, endet die Ära Netanjahu; andernfalls wird die derzeitige Militärpolitik fortgesetzt.

Die Abstimmung am 27. Oktober ist keine bloße Wahl zwischen sozialen oder wirtschaftlichen Programmen, sondern ein politischer Kampf, der darüber entscheidet, ob Israel auf dem Weg der endlosen Kriege und der internationalen Isolation bleibt oder nicht.

Kommentare 0

…

Ähnliche Nachrichten